bedeckt München 18°

Kinder - der ganz normale Wahnsinn:Wie die Seele in den Himmel kommt

Beim Arzt: "Wie kommt die Seele aus dem Körper raus? Und sehen wir sie dann? Und wo steckt sie jetzt in mir drin?" "..." "Mama? Die Seele, wie sieht die Seele aus?" "Äääh ..." "Hast du eigentlich auch eine Seele?"

Bei der Großmutter: "Oma, wenn du tot bist und im Himmel, siehst du mich überhaupt, wenn Wolken da sind?" Die Mutter schnappte nach Luft, die Oma blieb gelassen: "Die Wolken puste ich dann einfach zur Seite."

Dann starb die Großmutter.

Nach einer Operation am Herzen war sie nicht mehr aufgewacht. Im Krankenhaus konnte die Familie sie noch einmal sehen. Die Mutter saß leise weinend am Kopfende des Bettes, der Vater stand am Fußende; er trauerte ohne Tränen und trug das Kind auf dem Arm. Es war sehr still. Blass betrachtete die Enkelin die Großmutter im Bett, ihr Gesicht, das gar nicht mehr nach Oma aussah. Etwas fehlte.

Das Kind blickte sich suchend im Zimmer um. Dann strampelte es sich vom Arm, schob einen Stuhl unter das Fenster und rüttelte am Griff. "Was machst du denn?", fragte der Vater.

"Das Fenster auf. Damit Omas Seele in den Himmel kann, bevor sie Erde auf sie draufwerfen."

Die Mutter stand auf, der Vater trat hinzu. Gemeinsam öffneten sie das Fenster und blickten in den blauen Himmel. Das Kind winkte. Dann nahmen sie sich in den Arm und weinten alle drei.

"Vielleicht bringt die Oma jetzt dem kleinen Vogel das Fliegen bei. Wenn sie ihn besucht. Im Vogel-Himmel."

Beim Tod von Angehörigen trauern die Eltern und müssen zugleich ihren Kindern durch diese schwere Zeit helfen. Pädagogin Trudi Kühn erklärt, warum Eltern vor ihren Kindern Gefühle zeigen sollten - und warum sie auch den Tod eines geliebten Haustieres nicht als unwichtig abtun dürfen.

© Süddeutsche.de/feko/rus
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema