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Kinder - der ganz normale Wahnsinn:Platz, endlich Platz!

Bis die Mutter die Tür zum Kinderzimmer öffnete. Ihre Tochter hatte dahinter einen neuen Höhenrekord aufgestellt, die einzige Grenze war die Zimmerdecke. Und die hatte sie erreicht.

Das Kind hatte alle im Zimmer verfügbaren Mittelgebirge, Hochebenen und Plüschtierberge zu einem einzigen Giganten des Überflusses vereint. Dieser Koloss türmte sich nun vor der Mutter auf. Aber nur kurz. Dann stürzte er um.

Eine Nachbarin brachte an diesem Tag die Tochter vom Kindergarten nach Hause. "Hab ... heute ... keine ... Zeit!", hatte die Mutter ins Telefon gekeucht. Sie klang, als sei sie auf einer Bergtour, einer anstrengenden.

Als die Nachbarin klingelte, öffnete die Mutter. Sie hatte zerzaustes Haar, in denen Staubflocken hingen, und hektisch gerötete Wangen. In der Hand hielt sie eine Schneeschaufel. "Ähem", setzte die Nachbarin an, räusperte sich und fragte: "Ist alles in Ordnung?" "Jetzt schon", seufzte die Mutter zufrieden. Die Tochter ahnte Schlimmes und rannte in ihr Zimmer.

Die Möbel, der Teppich, die Wände - alles war gut zu sehen, obwohl kein Licht brannte: Die Sonne schien ungehindert durchs Fenster (sauber). Der Weg dorthin war passierbar. Keine Spur mehr von Spielzeug-Gipfeln oder Bücher-Gletschern. Die Eiszeit war vorüber.

Das Kind stand stumm.

Dann blickte es die Mutter an, die ihm gefolgt war. "Wo...?", flüsterte es. "Im Keller", sagte die Mutter zufrieden. Dass sie die Hälfte davon bereits im Internet zum Kauf feilbot, verschwieg sie.

Die wichtigsten Bücher standen noch im Bücherregal, die Kugeln und Hüpfbälle waren in einem Säckchen verstaut und vier Lieblingskuscheltiere warteten auf dem Kopfkissen.

Die Tochter streifte durch ihr groß gewordenes Reich. "Ganz schön viel Platz", sagte sie, widerwillig anerkennend. "Jawoll!", sagte die Mutter zufrieden, "und wenn du mit deinen Sachen spielen willst, holst du etwas vom Keller hoch. Und dann räumst du es wieder runter." Ein guter Plan, fand die Mutter. Die Tochter schien einverstanden. Jedenfalls widersprach sie nicht. Vielleicht stand sie noch unter Schock.

Doch offenbar funktionierte es: Drei Tage lang holte sie, brachte wieder weg und genoss die unbekannten Weiten ihres Reiches. Bis zum vierten Tag. Da hörte die Mutter am Nachmittag ein Poltern auf den Treppenstufen. Etwas Schweres wurde nach oben geschleift. Es rauschte und krachte, wie eine Geröll-Lawine.

Die Mutter stürzte ins Kinderzimmer. In der Mitte türmte sich ein zugspitzengroßer Haufen aus Gerümpel: ein Lampenschirm, ein Teddy ohne Arme, eine lange nicht mehr geputzte Puppenküche. Davor stand strahlend die Tochter: "Stell dir vor, diese tollen Sachen haben die Leute einfach an die Straße gestellt! Da hab ich das Allerschönste mitgenommen. Weil meine alten Sachen doch weg sind. Und Alt ergibt Neu. Hast du gesagt."

Ist der Teppichboden des Kinderzimmers unter dem Spielzeug kaum noch zu sehen, schimpfen Eltern: "Räum endlich auf." Weshalb sie so nicht ans Ziel kommen und wie es besser geht, erklärt der Psychologe Markus Schaer.

Erziehungs-Kolumne Dein Kind erzieh ich auch noch!
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