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Kinder - der ganz normale Wahnsinn:"Lasst mich in Ruhe stillen!"

Die Mutter schluckte und errötete. Das Baby zappelte, es hatte noch Hunger. Augenpaare starrten, Augenbrauen näherten sich dem Haaransatz. "Und wo bitteschön soll meine Frau unser Baby dann stillen?", mischte sich der Vater ein. Daran hatte der Kellner nicht gedacht. "Nun", meinte er zögernd, "wir könnten einen Stuhl auf die Damentoilette ...".

"Das ist wohl nicht Ihr Ernst", schnaubte der Vater. Das Baby schrie, warum dauerte das nur so lange? Der Vater raffte alle Baby-Utensilien in die Tasche, verabschiedete sich knapp bei der verstummten Geburtstagsgesellschaft und schob seine vor Verlegenheit hochrote Frau mit seinem vor Schreien hochrotem Baby aus der Tür. Die Mutter war sich nicht sicher, ob der Vater, als er sehr dicht an den zurückweichenden alten Damen am Nebentisch vorbeirauschte, nicht auch ein wenig geknurrt hatte. Sie stillte im Auto.

Als sie am Abend ihrer Schwester das Herz ausschüttete, kam ihr diese mit weisen, alten Sprichwörtern - in diesem Fall "Wer vom Pferd gefallen ist, muss gleich wieder aufsteigen": Sie trafen sich am nächsten Tag in einem Café. Zur Stillzeit. Hier war das Publikum etwa 50 Jahre jünger als in dem Restaurant. Dennoch war die Mutter sehr aufgeregt. Hektisch legte sie ihr Baby an die Brust, diese war nur einen Moment lang zu sehen. Trotzdem tuschelte am Nebentisch ein junges Paar und blickte immer wieder herüber. Nun zeigte es sogar mit dem Finger auf sie. Das war zu viel für die Mutter. "Halt mal", sagte sie zur Schwester und reichte ihr ein verdutztes Baby. Dann glättete sie ihr T-Shirt, straffte den Rücken, sprang auf und rief voll Zorn:

"Wieso lassen Sie mich nicht in Ruhe mein Kind füttern? Was gibt es da zu starren? Haben Sie noch nie Brüste gesehen? Stellen Sie sich draußen vor die Plakatwand mit der Dessouswerbung, da können Sie glotzen, solange sie wollen!" Der Schwester blieb der Mund offen stehen, dem Paar am Nebentisch auch. "Ich", die Mutter reckte ihre Brüste vor, "ich gebe das Beste für mein Kind. Und wenn es Ihnen nicht passt, dann gehen Sie doch! Ich bleibe! Und stille!".

Im Café waren alle Kunden verstummt, Leute drehten sich um, Kaffeetassen wurden auf dem Weg zum Mund vergessen. Die Frau fing sich als Erste. "Aber", stammelte sie, "wir haben doch gar nicht Sie ... wir haben doch ihn ..." Sie zeigte auf den Tisch hinter der Mutter.

Dort saß ein Schauspieler, kein unbekannter. Er winkte der Mutter freundlich zu.

Mit vor Verlegenheit hochrotem Kopf stürzte sie aus dem Café. Ein paar Minuten später folgte die Schwester samt Baby (schreiend) und versuchte, nicht zu grinsen. "Schau mal", sagte sie und hielt die Wickeltasche hoch.

Dort prangte ein Autogramm des Schauspielers. Darunter hatte er einen Satz geschrieben: "Was Eltern wissen müssen: Es ist alles nur eine Phase."

Stillberaterin Regine Gresens gibt im Interview Tipps, wie das Stillen in der Öffentlichkeit für Mütter leichter wird.