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Kinder - der ganz normale Wahnsinn:Das bisschen Böllern

Die Erwachsenen füllten die Sektgläser (die Eltern stellten sie oben auf die Anrichte, weit weg vom Kindersekt). Die vier Kinder schlüpften aufgeregt in Schneeanzüge, Stiefel, wo war die Mütze, Handschuhe, Schals. Die Kinder stürmten nach draußen, nur das jüngere Besucherkind nicht. Das hatte vergessen, vor dem Anziehen auf die Toilette zu gehen und musste nun vor lauter Vorfreude sehr dringend - Schneeanzüge sind nur draußen praktisch.

Irgendwann waren alle auf der Straße. Die Eltern schleppten Raketen, Kracher und Böller heran, der Besuch trug leere Abschuss-Flaschen hinterher. Der Jüngste hielt sich zur Sicherheit schon mal die Ohren zu und beschloss, dass der beste Platz, um das neue Jahr zu begrüßen, ganz nah bei seiner Mutter war.

Als Punkt Mitternacht das Spektakel losging, sprang er fast von selbst auf ihren Arm. Es wurde geherzt und Glück gewünscht, jemand hatte sogar an die Sektgläser gedacht. Dann wollten es die Kinder endlich krachen lassen, aber die Väter ließen sie nicht: "Ihr müsst ein paar Meter Abstand halten, das ist sonst zu gefährlich", riefen sie über den Lärm hinweg. Dann waren die Väter nicht mehr ansprechbar, sie mussten sich um die Raketenzündung kümmern. Eine ähnliche Anziehungskraft hat sonst nur das sommerliche Grillen.

Die Kinder standen enttäuscht und etwas ratlos herum. "Kommt mal mit", zischte ihnen der angetrunkene Gast zu, "ist schließlich Silvester". Er verzog sich mit den Kindern um die Ecke, drückte jedem von ihnen einen Böller in die Hand und zückte das Feuerzeug. "Also", sagte er, "wenn ich es euch sage, werft ihr die Böller auf die Straße." Zwei der drei Kinder nickten. Das dritte hatte gerade nicht zugehört, weil es über ein besonders schönes Lichtspiel am Himmel staunte.

Der Gast hielt das Feuerzeug an die drei Zündschnüre. "Und jetzt: werft!" Zwei Kinder warfen. Ein Kind bewunderte noch immer den Himmel, zwei Böller kullerten auf die Straße. In dem Moment bog eine der Mütter um die Ecke.

Sie sah den Gast, zwei Kinder, die auf die zwei Böller auf der Straße blickten und ein Kind, das seinen noch in der Hand hielt. "WIRF DAS WEG!", kreischte die Mutter den Feuerwerkslärm. Das Kind erschrak und warf den Böller, aber nicht weit. Er landete auf einer Motorhaube. "Mein Auto", schrie der Gast.

Da knallte es dreimal laut: zweimal auf der Straße. Einmal auf der Motorhaube. Die Mutter lächelte. Ihr spontaner Neujahrswunsch hatte sich gerade erfüllt. "Kommt, wir schauen uns das Feuerwerk gemeinsam an", sagte sie zu den Kindern.

Eng drängten sich zwei Elternpaare, vier Kinder und ein weiblicher Gast in der Kälte zusammen, umarmten einander und blickten in den Himmel, an dem die eigenen Raketen bereits verglüht waren. Nur der männliche Gast suchte noch immer im Schein eines Feuerzeugs seine Motorhaube nach Lackschäden ab.

Der Jüngste schlief noch während des Feuerwerks auf dem Arm der Mutter ein, die anderen Kinder eine halbe Stunde später gemeinsam auf der Couch. Nicht einmal das Lachen der Erwachsenen konnte sie wecken. Allein der männliche Gast wirkte ein wenig ernüchtert. Er beschloss, im nächsten Jahr auf eine Party zu gehen, auf der garantiert keine Kinder waren. Die hatten doch nur Unfug im Kopf.

Eltern müssen nicht auf die Silvester-Party verzichten, selbst wenn kleine und größere Kinder mitfeiern wollen: Tipps für Essen, Spiele und das Feuerwerk.

Silvesterbräuche weltweit

Der Nervenkitzel feiert mit