Kampf gegen Aids WHO empfiehlt Beschneidung der Männer

Nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation handelt es sich um eine wichtige Maßnahme, um das Risiko der Übertragung des HI-Virus zu senken.

Von Rosemarie Plötzeneder

Die WHO sowie das Aidsprogramm der Vereinten Nationen (Unaids) empfehlen nun offiziell die Beschneidung der Männer in Gebieten mit hoher HIV-Verbreitung.

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Es handle sich dabei um eine wichtige, zusätzliche Maßnahme, um das Risiko der heterosexuellen Übertragung des HI-Virus zu senken.

Erst kürzlich hatte die US-Gesundheitsbehörde NIH zwei klinische HIV-Studien zur Wirkung der Beschneidung in Afrika abgebrochen, da die Daten bereits vor dem eigentlichen Ende der Untersuchung ein deutliches Ergebnis gezeigt hatten.

Die Fachleute hatten festgestellt, dass das Risiko einer HIV-Infektion bei beschnittenen Männern in Kenia um 53 Prozent und in Uganda um 48 Prozent niedriger war, als bei unbeschnittenen Studienteilnehmern.

Bereits vor fünf Jahren hatte eine Studie aus Orange Farm bei Johannesburg (PloS Med , 2(11): e298) darauf aufmerksam gemacht, dass sich die Infektionsrate durch die operative Entfernung der Vorhaut um 60 Prozent senken ließe. Damals reagierte man noch verhalten, Unaids forderte weitere Studien.

Nach den Untersuchungen in Kenia und Uganda dagegen nimmt die WHO nun die Beschneidung in ihr Programm im Kampf gegen Aids auf.

Flächendeckende Beschneidungen könnten allein in den Gebieten südlich der Sahara 5,7 Millionen Neuinfektionen und drei Millionen Todesfälle im Laufe von 20 Jahren verhindern, so die Berechnungen der WHO und Unaids.

In Deutschland profitieren promiskuitive Männer von einer Beschneidung laut WHO zwar ebenfalls. Auf die Infektionsraten allgemein wirkt sich diese Maßnahme jedoch kaum aus.

Frauen zählen allerdings zu den Gewinnern, wenn ihr Partner unten ohne ist. Denn die Zirkumzision verringert die Gefahr der Partnerin, an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken, signifikant (New England Journal of Medicine 2002, 346: 1105-1112).

Laut der Untersuchung haben aber auch die Männer selbst durchaus einen Vorteil: Während von den 847 nichtbeschnittenen Männern knapp ein Fünftel mit dem humanen Papillomvirus infiziert waren, konnte der Erreger von Feigwarzen im Genitalbereich nur bei 5,5 Prozent der Beschnittenen nachgewiesen werden.

Vielleicht dämpft diese Erkenntnis das unangenehme Gefühl, das sicher bei manchem Mann auftritt, wenn er an eine Beschneidung denkt.

Zwangsbeschneidungen wird es trotz der gesundheitlichen Vorteile nicht geben, weder in Afrika noch in Europa. Vor allem muss auch klar sein: Die Zirkumzision von Männern schützt sie nicht völlig vor HIV, so eine Sprecherin von Unaids.

Vielmehr handelt es sich um eine zusätzliche Maßnahme, die die Verwendung von Kondomen und die Einschränkung der Sexualpartner ergänzen soll.