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Junggesellinnenabschied:Der JGA: aus der westlichen Popkultur nicht mehr wegzudenken

Wahrscheinlich hätte ich es nicht auf fünf Junggesellinnenabschiede gebracht, wenn das wirklich alles wäre. Zunächst einmal steckt in so einem Abend durchaus ein Stück Emanzipationsgeschichte. Männer begehen diesen Brauch schon ziemlich lange: Unter den Labels "Stag Night" (Hirsch-Nacht), "Bachelor Party" (Junggesellen-Party) oder "Bucks Night" (Rammler-Nacht) feierten sie in Großbritannien und den USA schon Anfang des 20. Jahrhunderts rauschende Feste, um ein letztes Mal die Freiheit eines unverheirateten Mannes auszukosten. Bräute durften damals höchstens eine "Bridal Shower" veranstalten, eine Art brave Frauenzusammenkunft bei Kaffee und Kuchen inklusive Mutter und Schwiegermutter. Freiheiten, die man noch ein letztes Mal auskosten muss? Hatten sie praktisch nicht.

Das änderte sich erst mit der Frauenbewegung und der sexuellen Befreiung in den Siebzigern: Endlich begannen auch Frauen, vor der Hochzeit noch mal richtig einen draufzumachen. "Hen Night" (Hühner-Nacht) heißen solche Abende in Großbritannien, "Bachelorette Party" (Junggesellinnen-Feier) in den USA.

Via Hollywood verbreitet sich der Trend seither immer weiter: Auf den Blockbuster "Hangover" über vier Männer in Las Vegas folgten die weiblichen Varianten "Brautalarm" und, gerade diese Woche in den deutschen Kinos gestartet, die schwarze Komödie "Girls' Night Out". Heute ist der "JGA" für Männer wie Frauen aus der westlichen Popkultur nicht mehr wegzudenken.

Wer zuletzt einmal einen Samstag in einer europäischen Großstadt verbracht hat, kennt das Spektakel: Horden von alkoholisierten Frauen, an Kleidung oder Accessoires als Gruppe zu erkennen, belagern da die Fußgängerzonen, in ihrer Mitte die künftige Braut, die je nach Grausamkeit ihrer Freundinnen einen Bauchladen, einen Schleier oder ein Marienkäferkostüm tragen muss.

Tagsüber terrorisieren die Grüppchen die Innenstädte und verticken ihren Bauchladen-Inhalt, abends geht es weiter in den Restaurants und Clubs der Stadt. Dort treffen sie dann auf ihre männlichen Äquivalente: Horden von alkoholisierten Männern, in ihrer Mitte ein künftiger Bräutigam, der je nach Grausamkeit seiner Kumpels einen Bauchladen, ein Hasenkostüm oder eine Penisattrappe tragen muss.

Die Bauchladen-Nummer ist der Klassiker. Es gibt auch elegantere Varianten: Ich bin schon biertrinkend über den Bodensee gepaddelt, habe per Boot die Müggelspree erkundet oder musste mich im Allgäu durch Schluchten kämpfen. Eine Freundin hat bei einem Junggesellinnenabschied Porzellan bemalt, eine andere einen Tango-Kurs gemacht. Und in Prag macht uns Lena mit kreisenden Hüften vor, was sie bei ihrem letzten JGA gelernt hat: Lapdance.

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