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Jeans vom Designer:Meine Yacht, meine Villa, meine Jeans

Meine Yacht, meine Villa, meine Jeans? "Die Jeans ist ein wirkliches Luxusprodukt geworden", sagt Karl-Heinz Müller, Chef der Modemesse Bread and Butter. Jeans wie die von Balmain hält er aber für eine Ausschweifung. Gleichwohl finden sich immer wieder Kunden, denen offenbar nichts zu teuer ist. "Die Preise sind nach oben extrem offen", erklärt er.

Die wahren Stilikonen

Stil statt Style

So kann man inzwischen eigentlich beliebig viel für eine Jeans bezahlen - auf Wunsch kommen sie mit Flicken aus echtem Silber (so gesehen bei Acne im Frühjahr 2010 für etwa1500 Euro) oder es werden Diamanten in die Knöpfe eingelassen (das erledigt APO Jeans in New York für etwa 3000 Euro). Auf dem ersten Platz einer vor einer Weile veröffentlichten Forbes-Liste der teuersten Jeans ist eine Hose von Escada für etwa 7700 Euro, mit Swarovski-Kristallen übersät.

Die Botschaft aller dieser Modelle, besonders an weiblichen Beinen: "Hey, schaut mal, ich kann es mir leisten!" Die Jeans würde sich eben besser zum direkten Statusvergleich eignen als etwa ein Pelzmantel, den nur eine kleine gesellschaftliche Gruppe trägt, sagt Sophie Woodward, Soziologin an der Manchester University und zusammen mit Daniel Miller Initiatorin des Jeans-Forschungsnetzwerks "Global Denim Project".

Dabei gibt sich eine teure Jeans nicht immer sofort als Luxus zu erkennen wie der Diamant im Dekolleté oder der Ferrari vor der Tür. Denim ist subtiler. "Den Wiedererkennungswert der teuren Marke gibt es nur bei ganz wenigen Jeans. Wenn der Pullover über dem Label hängt, könnte es eine Designerjeans, aber auch jede andere Marke sein", erklärt Vogue-Chefin Christiane Arp.

Für Sophie Woodward liegt darin eine wichtige Erklärung für den weltweiten Erfolg der Jeans, den die Wissenschaftler in ihrem Forschungsprojekt erklären wollen: Die Jeans sei ein Kleidungsstück, dass sowohl zum Herausstechen aus der Masse als auch zum Einfügen darin geeignet sei, erklärt sie. Die teuren Jeans funktionieren dabei als Erkennungszeichen gegenüber Leuten, die so ticken wie man selbst.

Es gibt die Poser - und die Jeansliebhaber, die sich durch Designgelärme kaum beeindrucken lassen. Für sie reicht ein beiläufiger Blick auf die Oberschenkel, um zwischen Klasse und Masse zu unterscheiden: Ob es die richtige Hose ist, hängt für sie zum Beispiel davon ab, ob zum Färben reines Indigo verwendet wurde, wie breit der Webstuhl war, auf dem die Jeans entstanden ist, und ob auch die farbigen Fäden in der Webkante der äußeren Beinnaht gut zu erkennen sind.

Richtige Kenner seien das, vor allem männliche, sagt Bread and Butter-Chef Müller, der in Berlin das Modegeschäft "14oz" betreibt. Balmain kommt diesen Kennern nicht an die Beine. Sie suchen die veredelte Arbeiterhose, echte Handwerksarbeit. Auch sie werden auf der Bread and Butter fündig. Solch ein Jeansliebhaber lässt sich mit einem Autofreund vergleichen, der sich einen Lancia mit einem Motor von Ferrari zulegt. Es ist ein Luxus, den kaum einer wirklich mitkriegt, aber der Fahrer fühlt sich selbst viel erhabener, während er die Straßen entlangrauscht. Und ab und an nickt ihm ein Passant wissend zu, der die Melodie des Motors erkennt.

"Es ist fast ein bisschen nerdmäßig", sagt Müller über diese Kunden. Er selbst trägt "eigentlich nur eine Jeans", nämlich eine Vintage-Version der Levi's 501 aus den 1940er Jahren - und zählt demnach wohl selbst zum Kreis der Nerds. Die teuerste Jeans in seinem Laden stammt von der japanischen Firma Anachronorm und kostet knapp 750 Euro.

Auf der nächsten Seite: Die skurrilen Tipps der Hersteller.

Galerie der Hassobjekte (6)

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