125 Jahre Coco Chanel Die lebenslange Mademoiselle

Ein weltberühmtes Parfum und das Kleine Schwarze: Coco Chanel hat den Frauen Bewegungsfreiheit verschafft, ohne ihnen die Anmut zu nehmen.

"Chasnel" schrieb ein nachlässiger Standesbeamter im französischen Saumur vor 125 Jahren in die Geburtsurkunde von Gabrielle Chanel, die unter ihrem Spitznamen Coco zur berühmtesten Modemacherin des 20. Jahrhunderts aufsteigen sollte. Damals jedoch, am 19. August 1883, war das im Armenhaus geborene Mädchen so unbedeutend, dass ein "s" mehr oder weniger nichts ausmachte. Zum Glück wurde gleich mit übersehen, dass Gabrielle kein eheliches Kind war, und man trug den Markthöker Albert Chanel, der die Mutter Jeanne erst ein Jahr später heiratete, offiziell als Vater ein.

Die Modeschöpferin Coco Chanel mit der Gemahlin von Georges Pompidou, Madame Pompidou.

(Foto: Foto: oh)

Gabrielle "Coco" Chanel, die sich zeitlebens "Mademoiselle" nennen ließ, hat um ihre damals als nicht standesgemäß geltende Herkunft immer eine Legende gewoben. Als sie elf Jahre alt war, starb ihre Mutter. Der Vater brachte sie daraufhin in ein von Nonnen geführtes Waisenhaus und verschwand für immer aus Gabrielles Leben. Sie selbst dichtete die demütigende Jugend im Waisenhaus um, behauptete, der Vater sei nach Amerika gegangen und sie selbst bei zwei strengen Tanten aufgewachsen.

Und doch scheint sie aus der kargen Zeit im Heim etwas mitgebracht zu haben, was ihren phänomenalen Erfolg als Modeschöpferin prägte: den Hang zu einer puren, zweckmäßigen Kleidung, die manchmal an die Ästhetik von Schuluniformen erinnerte.

Alle Klassiker, die Chanel lanciert hat, das "Kleine Schwarze", Hosen für Frauen, lockere Tweed-Kostüme oder Twinsets als "feine" Damengarderobe, haben etwas mit diesem Hang zur Schlichtheit zu tun.

Coco Chanel setzte diese mit Zutaten wie langen Kunstperlenketten in hinreißende Outfits um. 1916 kaufte sie Jersey und schneiderte daraus Jacken und Röcke mit ausgefallenen Details. Frauenkleidung aus Baumwollwirkware - das war unerhört. Und wurde schnell zum "Must- Have" der Society in Paris oder Deauville. Hierzu trug natürlich bei, dass Chanel selbst mit ihren schwarzen Augen, kurzen Haaren, der gebräunten Haut und schmalen Figur umwerfend aussah. Die allzu geschmückten Damen der Gesellschaft wollten bald so auftreten wie die kleine, zarte und viel lässigere Französin.

"Es ärgert mich, wenn ich hören muss, ich hätte eben Glück gehabt. Niemand hat härter gearbeitet als ich", sagte sie später über ihre Karriere. Und sie hatte Recht. Zwar begann sie als Geliebte des reichen Etienne Balsan, gab ihre Stellung in einem Wäscheladen auf und folgte mit 21 Jahren dem Sohn einer Textildynastie auf sein Landgut. Doch ihr Geschäft baute sie mit eigenen Händen auf.

Ermutigt wurde sie dazu von Etiennes Nachfolger, dem attraktiven Engländer Boy Capel. Er wurde die große Liebe ihres Lebens, schlug ihr vor, ihre selbst entworfenen Kleider von einem Herrenschneider nach nähen zu lassen und lieh ihr Geld, als sie in der Rue Cambon im ersten Pariser Arrondissement Geschäftsräume anmietete. Aus einem Putzmacherladen erschuf sie ein Modeimperium und war bald vollkommen unabhängig von Capel.

Es scheint, als ob alles was Chanel anpackte, zu Gold wurde. Ihr 1921 herausgebrachtes Parfüm Chanel No. 5 gilt noch heute als "Duft der Düfte". Als sie neun Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs aus ihrem Schweizer Exil zurückkehrte und mit über 70 Jahren ein Comeback wagte, gelang es ihr, die Modewelt vollends zu erobern. Bis zu ihrem Tod 1971 arbeitete die energische Dame und erschuf eine Marke, die bis heute unter der genialen Kreativleitung von Karl Lagerfeld als Synonym französischer Eleganz schlechthin gilt. Persönliches Glück war ihr nicht beschieden. Boy Capel starb 1919 bei einem Autounfall. Andere Liaisons wie die mit dem Herzog von Westminster scheiterten. Die Vielbegehrte blieb letztlich allein.

Aber sie hinterließ ein wertvolles Erbe: Coco Chanel hat mit ihren Kreationen den Frauen die für ein selbstbestimmtes Leben nötige Bewegungsfreiheit verschafft. Und dafür mussten sie keinen Deut ihrer Anmut aufgeben. "Heutzutage", sagte Chanel in den 30er Jahren, "fahren Frauen Auto. Mit Krinoline ist das nicht gut möglich."

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