Interview„Ohne Stimme gäbe es ihn nicht“

Lesezeit: 3 Min.

(Foto: Constantin Film)

Klein, hoch, frech: Der neue Pumuckl krächzt wie das Original. Wie der Produzent Korbinian Dufter den kleinen Kobold wiederbelebt hat.

Interview: Georg Cadeggianini

SZ: Angefangen hat alles mit Hörspielen vor mehr als 60 Jahren, bestes Rentneralter also. Der letzte Film in der Besetzung mit Gustl Bayrhammer kam 1994 in die Kinos. Danach folgte eine lange Pause. Pumuckl verstummte. Herr Dufter, Sie sind ein bisschen wie der Papa der Wiederbelebung. Wie viel Prozent Pumuckl steckt in seiner Stimme?

Korbinian Dufter: In Prozent? Sie ist die Basis von allem.

Oh! Weil er unsichtbar ist?

Am Set ist tatsächlich erst mal nur die Stimme von Pumuckl zu hören. Zu sehen ist der Kobold erst viele Monate später. Das Animationsteam zeichnet Pumuckl so in den Film hinein, dass er zur Stimme passt. Hört sich Pumuckl traurig an, hüpft oder macht eine Pause – dann macht die animierte Figur von Pumuckl genau das auch. Und nicht umgekehrt. Daher ist die Stimme von Pumuckl wirklich das Allerwichtigste. Ohne Stimme gäbe es ihn nicht.

Nehmen Sie uns mit ans Set. Wie spielt man mit einer Stimme als Gegenüber?

Am Anfang haben wir eine kleine Pumucklfigur in die Szene reingestellt, die etwa so groß ist wie der Kobold selbst. Damit Florian Brückner, unser Eder, weiß, wo der Pumuckl steht und sein Blick stimmt, wenn später der Pumuckl hineingezeichnet wird. Nur so hat man als Zuschauer das Gefühl, dass Eder und Pumuckl sich gegenseitig sehen können. Die Koboldsfigur war dann aber schnell egal. Die brauchten wir nicht mehr. Florian Brückner kann das einfach. Der sieht den Pumuckl, obwohl er gar nicht da ist.

Meister Eder halt.

Ja, absolut! Das geht, solange er Pumuckls Stimme am Set hören kann. Das ist entscheidend. Deswegen ist es so wichtig, dass Maxi Schafroth jeden Tag live am Set ist und den Pumuckl spricht.

Wie das? Ist der da wie so ein Vogelbeobachter unter einem Tarnzelt?

Aufwendig verstecken müssen wir Maxi zum Glück nicht. Es reicht, wenn er einfach neben der Kamera steht, gerade so, dass er nicht im Bild zu sehen ist. Während der Florian mit der Luft spielt, hört er den Maxi und kann auf sein Spiel, seinen Schabernack und seinen Humor reagieren.

Es gibt wenige Stimmen, die so charakteristisch für die Figur sind. Die von Justus Jonas vielleicht. Was ist das Besondere an der Pumuckl-Stimme?

Klein, hoch, frech, wenig Volumen, wenig Bass, einfach so, dass sie gut in dieses 30 Zentimeter kleine Wesen passt, es ausfüllt, es belebt.

Maxi Schafroth ist 1,74 Meter, fast sechsmal so groß. Hat er einen Verwandlungstrick?

Vor Drehbeginn hüpft er singend durchs Set. Er geht mit der Stimme ganz weit rauf und ein bisschen runter, noch weiter rauf und wieder ein bisschen runter. Er wird immer höher und höher, bis seine Stimme irgendwann dann so dicht und klein ist wie der Pumuckl.

Den Original-Pumuckl hat Hans Clarin gesprochen, der vor 20 Jahren gestorben ist. Mithilfe von künstlicher Intelligenz haben Sie ihn wiederbelebt, den Maxi-Pumuckl noch mal clarinisiert. Schwierig?

Als wir vor sechs Jahren angefangen haben, war das tatsächlich Hexenwerk. Damals war KI noch in den Kinderschuhen. Wir haben viel rumprobiert und sind dann über Umwege auf „Respeecher“ gestoßen, eine Spezialfirma in Kiew in der Ukraine. Inzwischen gibt es jede Menge Anbieter, die Stimmen klonen. Wir arbeiten nach wie vor mit Respeecher zusammen. Die sind jetzt auf Pumuckl spezialisiert.

Wie viel Krawall steckt in Clarin?

Pumuckl weiß schon gerne alles besser. Pumuckl und Eder kommen über Kleinigkeiten ins Debattieren. Am Ende geht es um die Frage, wer hat recht? Wer hat das letzte Wort? Und wer bestimmt jetzt, was gemacht wird?

Auch Kinder hören diese Eder-Stimme: Hast du alle Hausaufgaben gemacht? Zimmer aufgeräumt? Zähne geputzt?

Pumuckl ist zwar kein Kind, sondern ein Kobold. Ein kleiner, aber feiner Unterschied. Aber ja, er hat ähnliche Fragen an die Welt, er versteht auch nicht immer alles. Was beide eint, Pumuckl und die Kinder, ist die Frage: Welcher Blick auf die Welt stimmt? Der der Erwachsenen, die meinen, dass sie immer recht haben und das auch mit vielen Argumenten untermauern? Oder ist da noch Platz für einen anderen Blick auf die Welt, einen koboldigeren, einen kindlicheren?

Einen, den auch Ex-Kinder sich bewahren können?

Auf jeden Fall. Manchmal drücken wir Erwachsene diesen Blick weg, tun so, als dürfte es den nicht geben. Passiert das, dann macht das die Welt zu einem düstereren Ort und uns selbst ein bisschen leer. Pumuckl holt ihn immer wieder hervor und sagt: Doch, dieser kindliche Blick, der darf sein, der ist wichtig, für alle – egal, wie alt wir sind. Diesem Blick muss man eine Stimme geben.

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