Interview mit Peter Krinninger "Ich bin nicht schuld"

Peter Krinninger ist der Veranstalter des Zugspitz-Laufs. Er spricht über die Tragödie des letzten Jahres, seine Verantwortung und die der Sportler.

Interview: Birgit Lutz-Temsch

SZ: Herr Krinninger, warum haben Sie den Zugspitz-Lauf nach den Todesfällen erneut ausgeschrieben?

Will auch dieses Jahr wieder den Zugspitzlauf veranstalten: Peter Krinninger.

(Foto: Foto: oh)

Peter Krinninger: Von den Läufern und den Sponsoren haben wir viel Zuspruch bekommen. Deshalb ist in mir diese Entscheidung gereift.

SZ: Das Wetter soll nun ähnlich werden wie 2008. Starten Sie das Rennen?

Krinninger: Ja, natürlich findet das Rennen statt. Die genaue Entscheidung, ob wir bis zum Gipfel, zum Sonnalpin oder unter Umständen auf einer Ersatzstrecke laufen, treffen wir erst am Sonntagfrüh. Man kann das Rennen auch bei diesem Wetter machen. Das ist eine gute Gelegenheit für die Läufer, zu zeigen, dass das Rennen kein Problem ist, wenn man richtig angezogen ist.

SZ: Sie haben wegen der Geschehnisse im letzten Jahr einen Strafbefehl erhalten und Einspruch dagegen eingelegt.

Krinninger: Ich fühle mich sehr unfair behandelt. Die suchen jetzt einfach einen Schuldigen. Es ist schrecklich für mich, dass bei einer Veranstaltung, die ich ins Leben gerufen habe, Menschen gestorben sind. Ich trauere noch immer. Aber ich bin nicht schuld.

SZ: Warum nicht?

Krinninger: Weil wir umfassend informiert haben. Wir haben die Herausforderungen des Laufs in der Ausschreibung und einer Teilnehmerinformation dargestellt. Bei der Startnummernausgabe hing der Wetterbericht aus, und wir haben durchgesagt, dass es kalt ist und man sich entsprechend kleiden muss.

SZ: Die Staatsanwaltschaft wirft Ihnen vor, nach den Schneewarnungen nicht erreichbar gewesen zu sein. Die Bergwacht habe das Rennen schließlich verkürzt.

Krinninger: Das stimmt nicht. Als die Bergwacht meldete, man solle das Rennen verkürzen, hatte ich das schon gemacht. Dass mich jemand nicht erreicht hat, kann sein. Es gibt etliche Funklöcher in dem Gebiet.

SZ: Glauben Sie, dass es Läufer gab, die nicht wussten, wie kalt es oben ist?

Krinninger: Das kann nicht sein. Nur ein kleiner Prozentsatz war schlecht gekleidet. Die gaben dann auch blöde Antworten wie: Wir wissen schon selber, wie wir uns anziehen sollen.

SZ: Hätten Sie da eingreifen müssen?

Krinninger: Wir haben denen ja gesagt, dass man lange Kleidung braucht. Dann hört man die tollsten Sachen: Zum Beispiel, dass unterwegs eine Begleitung mit zusätzlicher Kleidung wartet.

SZ: Hätten Sie diese Leute nicht vor sich selbst schützen müssen?

Krinninger: Wir haben gewarnt. Vielfach. Die Läufer haben dann selbst die Verantwortung für sich.

SZ: Manche Menschen geben ihre Verantwortung aber beim Veranstalter ab.

Krinninger: Es ist vielleicht grundsätzlich ein Problem in der Bevölkerung, dass man selber nicht mehr in der Lage ist, zu entscheiden, was für einen gut oder schlecht ist. Ich bin aber dafür, dass die Leute das Selbstbewusstsein haben, Dinge zu machen, die sie sich zutrauen.

SZ: Waren die beiden Verstorbenen adäquat vorbereitet?

Krinninger: Ich denke, sie waren trainiert genug, deshalb waren sie ja unter den ersten, die hochgekommen sind. Wir haben die Rückmeldung, dass sie am Platt einen guten Eindruck machten. Kurz zuvor wurden Fotos gemacht. Da sehen sie aus wie jeder Bergläufer. Angestrengt, aber nicht extrem erschöpft.

SZ: Wo waren Sie beim dem Lauf?

Krinninger: Entweder an der Zwischenzeit oder oben im Ziel, pausenlos unterwegs. Ich habe selbst mitgeholfen und einen Läufer 300 Höhenmeter hinunter getragen ins Sonnalpin. Das wäre sonst der dritte Tote gewesen.

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