InterviewDrei Fragen an ...

Kasperl Michi nach der halbstündigen Aufführung am Preysingplatz vor der Johanneskirche in Haidhausen.
Kasperl Michi nach der halbstündigen Aufführung am Preysingplatz vor der Johanneskirche in Haidhausen. gca

Schäfflerkasperl Michi Zehetbauer. Alle sieben Jahre ziehen sie tanzend durch München. Die Fassmacher sollen die Ersten gewesen sein, die vor mehr als 500 Jahren die Menschen nach der Pest wieder auf die Straße geholt haben.

Interview von Georg Cadeggianini

SZ: Beim Schäfflertanz werden zu Blasmusik Buchsbaumreifbögen von Tänzern in Figuren getragen. Sie sind dabei der Kasperl. Wofür braucht es den denn?

Michi Zehetbauer: Bei manchen Figuren sind die Kasperl mit eingebunden. Bei der Krone stehe ich sogar im Mittelpunkt. Ich habe dann eine blau-weiße Stange in der Hand, ganz oben der goldene Reichsapfel, auf Brusthöhe ist da ein Ring mit zehn Löchern montiert. Da sammle ich die Reifen ein, ein Ende steckt bei mir, das andere wird nach außen gehalten. Das ergibt dann die Krone. Aber meine Hauptaufgabe ist: die Zuschauer zum Lachen bringen. Ich tausche Mützen mit den Leuten, fange Schnapsgläser aus der Luft, male Zuschauernasen schwarz an. Das bringt Glück.

Ist da schon mal was schiefgegangen?

Bei 430 Aufführungen allein dieses Jahr geht schon auch mal ein Glas daneben. Beim Naseschwärzen muss ich innerhalb von Sekunden abschätzen, ob der andere das mag. Manchmal vertue ich mich da. Einer hat mir sogar mal eine runtergehauen.

Sie tanzen noch bis 17. Februar, dann erst wieder 2033. Haben Sie eine Lieblingssituation?

Wir tanzen ja in so ziemlich jeder Münchner Grundschule. Das macht mir am meisten Spaß. Kinder sind einfach die besten Zuschauer. Schön ist aber auch, wenn wir in Altenheimen sind. Da hängen bei den Bewohnern oft viele Erinnerungen dran. Was war mein erster Schäfflertanz? Welcher der wichtigste? Das Leben in Siebenjahresschritten. Für viele ist dann aber halt auch der Gedanke da: Dieser hier wird vielleicht mein letzter sein.

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