InterviewDrei Fragen an …

Glasfaserbündel, gut geschützt in einem Serverschrank. 
Glasfaserbündel, gut geschützt in einem Serverschrank.  Sebastian Gollnow/dpa

Jochim Selzer vom Chaos Computer Club. Die Welt soll nicht zusehen können, was in Iran passiert. Deswegen haben die Machthaber das Internet abschalten lassen. Von einem Massaker mit mehr als 3000 Toten sprechen Experten.

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SZ: Kann man das Internet abschalten?

Jochim Selzer: Das Internet ist nicht ein Netz, das zentral gesteuert wird, sondern ein Mix aus vielen kleinen Netzwerken. Firmen wie die Telekom, Vodafone oder andere können den Zugang kappen. Dann kann sich über sie niemand mehr ins Netz einwählen. Vorstellen kann man sich das wie ein Autobahnnetz, bei dem Zufahrten gesperrt werden. Man könnte dann aber einen Umweg fahren. In Iran allerdings sind vermutlich alle Zufahrten gesperrt. Wie es scheint, hat die Regierung dort alle Internetanbieter angewiesen, die Einwahlknoten abzuschalten.

Was bedeutet das für den Alltag dort?

Ohne das Internet funktionieren soziale Medien wie Tiktok, Messenger, Instagram oder Whatsapp nicht mehr. Das heißt, Fotos und Videos von den Protesten, in denen Menschen brutal niedergeschlagen und getötet werden, können nicht mehr in der Welt verbreitet werden.  Wenige Menschen schaffen es, diese Sperren zu umgehen, etwa über Satellitennetzwerke.

Kann auch in Deutschland das Internet abgeschaltet werden?

Technisch wäre das wohl möglich. Auch das gesamte Internet. Aber ich bezweifle, dass es rechtlich möglich ist. Die Bundesregierung müsste das anordnen, das wäre ein massiver Verstoß gegen unsere Grundrechte. Eine ganz andere Frage ist die nach DE-CIX. Das ist ein zentraler Internetknotenpunkt in Frankfurt am Main. Wenn man den beschädigen würde, könnte man das Internet europaweit empfindlich stören. Aber erstens ist DE-CIX über die ganze Stadt verteilt und speziell geschützt. Und zweitens wurde das Internet von Anfang an so geplant, dass es möglichst widerstandsfähig gegen einzelne Attacken ist.

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