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Internetkriminalität:Millionengeschäft

Sie sind eine der größten organisierten Banden, die versuchen, im Internet gutgläubige Menschen mit Liebesversprechen und netten Worten zu ködern: Die sogenannte "Nigeria Connection" macht mit Gefühlen Geld.

Die auf Internetbetrug spezialisierte "Nigeria Connection" hat ein neues Betätigungsfeld: Mit großem Erfolg nehmen die Männer Frauen aus, die sich nach der großen Liebe sehnen. Selbsthilfegruppen und Ermittlungsbehörden nennen sie Romance- oder Love-Scammer, vom englischen Wort scam (Betrug). Die Betrüger sitzen überwiegend in Ghana und Nigeria und geben sich als erfolgreiche Geschäftsleute aus. Über Monate erschleichen sie sich das Vertrauen ihrer Opfer, dringen in intimste Bereiche ein und treiben sie bisweilen sogar in den Suizid. "Die Opfer leiden vor allem massiv unter Liebeskummer und Vertrauensverlust", sagt Jochen Meismann von der "A Plus Detective GmbH", die auf solche Betrügereien spezialisiert ist. Seine Klienten sind fast nur Frauen. "Männer bezahlen vielleicht noch für Nacktfotos, aber nicht nur für liebe Worte", meint der Detektiv. Die Legenden der Täter wiederholen sich, mal sind es britische Witwer mit Kindern, mal einsame US-Soldaten. Die Betrüger arbeiten mit gestohlenen Bildern von echten Personen. Sie spielen ihren Opfern eine Beziehung vor und erschwindeln sich Vermögen mit erlogenen Tragödien, obwohl es nie zu einem persönlichen Kontakt kommt. Gerade Frauen ab Mitte 40 bis Ende 60 geraten ins Visier, denn sie sehnen sich oft nach Liebe, sind im Internet aber noch unerfahren. Die Kontaktaufnahme erfolgt über sämtliche Social-Media-Kanäle. "Verseucht mit Love-Scammern" sind laut Experten inzwischen auch hochwertige und teure Partnervermittlungen im Netz. Das Bundeskriminalamt führt keine Statistiken darüber, die Dunkelziffer ist hoch. Im FBI-Jahresreport 2014 steht Romance-Scam auf der Liste der häufigsten Internet-Betrügereien mit den höchsten finanziellen Verlusten an erster Stelle. Die dort aufgeführten 5800 Personen verloren insgesamt mehr als 68,5 Millionen Dollar.

© SZ vom 10.10.2015
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