Dem Geheimnis auf der Spur:Das Gold der Inka

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Die Ruinen von Espíritu Pampa, einer Theorie zufolge der Rückzugsort der letzten Inka. (Foto: wikimedia commons/CC BY-SA 3.0)

Jahrelang suchte ein deutscher Abenteurer nach der mysteriösen Hauptstadt des letzten Inka-Herrschers - und übersah dabei eine viel wichtigere Entdeckung.

Von Rudolf von Bitter

Wenn es nicht um den legendären Schatz des letzten Inka ginge, um die Idee des El Dorado, die ungezählte Goldsucher und Amateurarchäologen nach Peru gelockt hat, dann könnte man Rudolph August Berns als gewöhnlichen charismatischen Hochstapler abtun, der schon als Kind Schwadroneursfähigkeiten gezeigt hatte. 1842 als Sohn eines Weinhändlers in Uerdingen bei Krefeld geboren, fiel er immer wieder durch eine gewisse Weltabgewandtheit auf. Dass er eine Schlosserlehre antreten musste, war das Gegenteil zu seinen angelesenen Vorstellungen vom Erlangen des sagenhaften Schatzes an den Wirkstätten der Inka. Trotzdem wurden seine handwerklichen Fähigkeiten zum Wegweiser seines Lebens.

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Berns wanderte nach Peru aus, diente 1866 als Kanonenwart und Kugelgießer bei der Verteidigung der Hafenstadt Callao gegen die Spanier, die sich danach endgültig zurückzogen. Er begab sich als Landvermesser für eine Eisenbahngesellschaft ins Landesinnere, stets den Schatz der Inka vor Augen. Der angebliche Schatz wird abgeleitet aus einem von Pedro Pizarro überlieferten Gespräch: Der Inka-König Manco Cápac II. habe den Abzug der Christen aus Südamerika verhandeln wollen und Gold und Silber in einer Menge in Aussicht gestellt, der gegenüber die bisher entdeckten Schätze im Land nicht größer wären als ein Korn in einem Scheffel Mais.

Augusto Berns war besessen davon, den Inkaschatz zu heben

Manco war zunächst loyaler Statthalter der spanischen Eroberer gewesen, hatte sich aber wegen fortgesetzter Demütigungen aufgelehnt. 1536 setzte er sich ab und begann mit dem Widerstand gegen die Spanier. Zunächst belagerte er mit seinen Streitkräften fast ein Jahr lang Cusco, bei dessen Einnahme er den Konquistadoren noch geholfen hatte, flüchtete dann aber vor den Truppen des Diego de Almagro. An einem geheimen Ort versuchte Manco ein kleines Königreich zu errichten. Von seinem Versteck aus überfiel er die Spanier mehrfach bis zu seiner Ermordung 1544. Der Widerstand setzte sich dennoch fort bis hin zu Túpac Amaru, dem vierten und letzten Inka von Vilcabamba, der ein Symbol des indigenen Widerstands in Südamerika geblieben ist. Als er 1572 der spanischen Artillerie unterlegen war, ließ er Feuer an sein Königreich legen. Nachdem die Sieger an der verbrannten Stadt kein Interesse hatten, gründeten sie Vilcabamba, "la Nueva", die neue. Das alte Vilcabamba, "la Vieja", blieb verlassen und verschwand nach und nach unterm Grün des Urwalds.

Das Wissen um die verlorene Stadt der Inka hat sich über Jahrhunderte gehalten. Aber erst im 19. Jahrhundert brachen mehrere Expeditionen auf, um die Stelle und damit auch den sagenhaften Schatz zu finden. Allen voran Augusto Berns, wie er sich inzwischen nannte, gemeinsam mit Harry ("Poker Harry") Singer, von dem en détail Sabrina Janesch im Roman "Die goldene Stadt " berichtet, und dessen relativ detaillierte Karte der Gegend 1978 entdeckt worden ist.

Berns blieb besessen davon, der Inkaschatz müsse noch zu heben sein. Er verbrachte viel Zeit vor Ort und stieß dabei auf alte, teils bewohnte Gemäuer der Inka, die nach ihrer Lage "alter Berg" (Machu Picchu) genannt wurden. Aber weil er keinen Schatz fand, kam er auf eine andere Idee: Berns dachte sich eine Aktiengesellschaft aus. "Huaca del Inca" sollte die Gold- und Silberschätze der alten Kultur bergen und ihre Aktionäre reich machen. Das Gelände, die Strapazen von Höhe und die Witterung erforderten aufwendige, also kostspielige Vorbereitung. In dem 1887 erschienenen 48-seitigen Prospekt der Gesellschaft wird dargelegt, was es mit dem Inkaschatz auf sich hat. Zugleich stellte Berns auf 18 Seiten seinen Lebenslauf, seine Verdienste und prominenten Bekanntschaften bis hin zum Präsidenten der USA vor. Von tausend Aktien behielt er achthundert für erbrachte Vorleistungen, nur 130 gingen in den freien Verkauf.

Der Professor war eines der Vorbilder für Indiana Jones

Gegen alle Zweifel der Zeitgenossen in Peru sammelte er echtes Venture-Kapital ein - und machte daraus seinen ganz persönlichen Inka-Schatz: Er verschwand damit und ward nicht mehr gesehen. Den wahren Schatz, auf den Berns gestoßen ist, hat erst der Professor für südamerikanische Geschichte Hiram Bingham erkannt. Im Jahr 1911 wurde er berühmt mit der Verortung der Inkastadt Machu Picchu, die heute zum Unesco-Weltkulturerbe gehört. Binghams Ruhm wurde kaum geschmälert davon, dass schon andere vor ihm dort gewesen waren, wie es überhaupt eine kolonialistische Anmaßung ist, von Entdeckung bei Orten zu sprechen, an denen seit Jahrhunderten die Einheimischen leben. Bingham war angeblich auch eines der Vorbilder für den Filmabenteurer Indiana Jones.

Seither meinen die einen, der letzte Ort der Inka sei Choquequirao gewesen, andere sehen ihn in Machu Picchu, womöglich ist es aber Espíritu Pampa. Denn der eine Platz ist nicht nördlich genug, der andere hat nie gebrannt und der dritte läge am Rand eines ungesunden Wasserlaufs. Espíritu Pampa wäre immerhin die Übersetzung von Vilcabamba ( vilca bedeutet heilig, bamba ist die Ebene). Außerdem wurden hier 1966 Spuren eines Brandes entdeckt, also könnte es der richtige Ort sein. Zehn Jahre später allerdings entdeckte ein peruanischer Archäologe einen weiteren unerforschten Platz im Dschungel, 40 Kilometer nördlich von Machu Picchu, und nahm an, dies sei Mancos Fluchtort gewesen. Derzeit gilt es unter Forschern allerdings als am wahrscheinlichsten, dass Choquequirao der Platz war, an dem die geheime Hauptstadt wirklich lag. Aber wer hat dann in Vilcabamba la Vieja gelebt?

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