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Illegaler Fischfang:Kampf gegen die Wilderer auf hoher See

11 06 2017 Flagge von Sea Shepherd Flagge Fahne Aufnäher Totenkopf Dreizack Schutz Meere M

Das Logo der Organisation "Sea Shepherd" stammt aus den Zeiten, als ihre Mitglieder international noch viel Kritik auf sich zogen.

(Foto: Imago/Steinach)

Die Aktivisten von "Sea Shepherd" waren mal als Öko-Piraten berüchtigt. Heute wollen sie den kriminellen Fischfang legal bekämpfen.

Die Patrouillenfahrt, von der Kapitän Peter Hammarstedt erzählt, klingt für einen Moment wie eine Piratengeschichte. Mit großem Tempo nähert sich sein Schiff, die "Bob Barker", auf dem Ozean vor der Küste von Liberia dem Fischtrawler. Es muss jetzt schnell gehen, er will ihm den Weg abschneiden. Die Fischer sollen keine Gelegenheit haben, die Gewässer von Liberia zu verlassen und sich mit ihrem Fang noch davon zu machen. "Zwei Dingys machen sich von unserem Boot aus auf den Weg", berichtet Hammarstedt, ein kräftiger Kerl mit einer tiefen Stimme. Auf den Schlauchbooten sind auch bewaffnete Männer. Sie machen seitwärts am Fischtrawler fest, bringen die Brücke unter ihre Kontrolle und stoppen den Motor.

Hammarstedt ist 34 Jahre alt, der Schwede fährt seit einigen Jahren als Seemann auf Schiffen der Meeresschutz-Aktivisten "Sea Shepherd". Er hat eine Menge gesehen. Aber was sie an diesem Tag beim Einsatz vor der Westküste Afrikas entdecken, prägt sich als Bild fest in ihm ein. Denn an Bord des Fisch-Trawlers, den sie gerade geentert haben, höchst legal, wie noch zu erzählen sein wird, entdecken die Inspektoren eine geheime, illegale Hai-Ölproduktion. Dieses Öl, gewonnen aus der Leber der Fische, hat einen bizarren Ruf als ein angeblich besonders wirksames, natürliches Heilmittel. Für die Haie aber ist das so fatal wie auch die Leidenschaft vor allem der Chinesen für Suppe aus Haifischflossen. Seit langem warnen Experten, dass Haie vom Aussterben bedroht sind.

"Wäre dieses Schiff nicht festgesetzt worden", erklärt Hammarstedt, "so hätte es die Population an Tiefseehaien an der Küste vor Liberia weitgehend vernichtet." Er rechnet vor, wie allein für die illegale Produktion auf diesem einen Schiff monatlich Zehntausende Haie getötet werden mussten. Mit dem Einsatz der "Bob Barker" sei das vorbei gewesen. "Das Schiff wurde in den Hafen gebracht und für sechs Monate festgehalten", sagt er und schätzt, eine viertel Million Haie seien gerettet worden.

Hammarstedt ist am diesem Abend nach Berlin gekommen, um über die außergewöhnliche Mission seines Schiffs zu berichten. Eine Mission, die wohl mehr für den Schutz bedrohter Arten leistet als einst die spektakulären Attacken auf Walfänger, mit denen die Aktivisten von Sea Shepherd vor Jahrzehnten auffielen. Gut hundert meist junge Menschen hören in einem Stadtteil-Treff in Berlin-Moabit zu, wie er gemeinsam mit Kapitän und Sea-Shepherd-Direktor Alex Cornelissen erzählt, wie durch illegale Fischerei die Ozeane zu Wüsten aus Wasser zu werden drohen. Und wie die Produkte aus den illegalen Fängen am Ende auch auf unseren Märkten in Europa landen.

"Es ist in Ordnung, kein Pirat mehr zu sein, wenn es unseren Zielen hilft"

Viele der Zuhörer tragen Sweatshirts mit dem Totenkopf-Logo der Organisation, das aus den Zeiten stammt, als ihre Aktivisten sich einen Ruf als "Öko-Piraten" machten und international auch viel Kritik auf sich zogen, weil sie bei ihrem Einsatz gegen die Schiffe Walfänger mit waghalsigen Manövern die Grenzen des Legalen überschritten. Gegen ihren Gründer Paul Watson, der heute weitgehend im Hintergrund wirkt, wurde ein internationaler Haftbefehl erwirkt. Wenn Kapitän Hammarstedt jetzt mit seiner Crew zu einer Mission aufbricht, bewegen sich die Piraten von einst nicht nur innerhalb der Gesetze. Sie bringen die einheimischen Gesetzeshüter vor den Küsten von Liberia, Gabun oder Benin zu ihren Einsatzorten.

Die bewaffneten Männer an Bord der "Bob Barker" kommen vom Küstenschutz des jeweiligen Landes und sind ihrerseits der Geleitschutz für Inspektoren des Fischereiministerium. Sie fragen an Bord des Kahns nach Papieren und Lizenzen und untersuchen dann jeden Winkel nach Spuren für illegale Fischerei. Hammarstedt und seine Leute bleiben im Hintergrund. Seine durch Spenden finanzierte Organisation Sea Shepherd stelle dem Land, dessen Küstenwache diese Mittel nicht hat, seine Mannschaft und ihrem Boot und auch den Treibstoff zur Verfügung für den Einsatz gegen um illegale Fischereiboote, die meist nachts aus dem Ausland in ihre Hoheitsgebiete eindringen.

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