bedeckt München 11°

Hundekot auf den Straßen:Die Welthauptstadt der Hundeexkremente

Buenos Aires: Ich heb es auf

So heißt "Hund": Perro So sagen Kinder dazu: Guau guau Anzahl: 700 000 Hunde sollen in Buenos Aires leben bei knapp 3 Millionen Einwohnern. Meistgehörter Hundename: Max, Fox Berühmtester Hund der Stadt: Der Polizeihund "Chonino", der im heldenhaften Einsatz auf Verbrecherjagd starb und zu dessen Ehren an jedem 2. Juni der "Tag des Hundes" begangen wird.

Buenos Aires gilt als Welthauptstadt der Hundeexkremente. Nach jüngsten wissenschaftlichen Schätzungen gehen dort täglich bis zu 70 Tonnen Kot auf die Straßen nieder. Da kann nicht einmal Berlin mithalten (ca. 55 Tonnen).

Dieser fabelhafte Rekord liegt zum einen an der großen Zuneigung der Argentinier zu Tieren (auf jeden dritten Einwohner von Buenos Aires kommt ein Hund oder eine Katze) und zum anderen an der großen Abneigung, sich um deren Exkremente zu kümmern. Auch der neue Staatspräsident und ehemalige Hauptstadt-Bürgermeister Mauricio Macri hat das Problem mit dem Dreck trotz zahlreicher Gesetzesinitiativen nicht in den Griff bekommen.

Seit einiger Zeit formiert sich aber Widerstand an der Basis. Im Rahmen der Nachbarschafts-Kampagne "Yo lo levanto" ("Ich heb es auf") wurden in einigen Gegenden selbstgebastelte Hundekotbeutel-Spender an Bäumen und Zäunen angebracht, zum Teil aus alten Plastikflaschen. Anwohner des Stadtteils San Telmo organisierten vor Jahren sogar ein sogenanntes "Festival No Caca", ein Anti-Hundeschiss-Festival. Die Idee war, einen Kulturwandel herbeizuführen, indem man nicht mit Sanktionen droht, sondern mit Anreizen lockt. Wer dabei erwischt wurde, wie er seinem Hund hinterherkehrte, bekam ein Geschenk.

Boris Herrmann

Istanbul: Verbannt auf eine Insel im Marmarameer

So heißt "Hund": Köpek So sagen Kinder dazu: Hav-hav Anzahl: In Istanbul leben Schätzungen zufolge zwischen 150 000 bis 200 000 Hunde - bei 14 Millionen Einwohnern. Meistgehörter Hundename: Karabaş Berühmtester Hund der Stadt: Foks, der Hund von Republikgründer Mustafa Kemal Atatürk.

In Istanbul ist die Gefahr, beim Spazierengehen über eine einsame Stufe zu stolpern, die sich plötzlich vor einem auftut, oder in einem Loch im Boden hängen zu bleiben, um ein Vielfaches größer als die, in einen Hundehaufen zu treten. Überhaupt sieht man vergleichsweise wenige Hunde im Stadtbild. Nach islamischer Überlieferung gilt das Tier als unrein, ins Haus darf der Hund bei vielen traditionellen Familien überhaupt nicht.

Wilde Straßenhunde haben aber eine lange Tradition. Und sie werden in der Regel auch vom Menschen geliebt und gepflegt. Das beweist zum Beispiel das Bild, wie im Istanbuler Maçka Essenreste von Anwohnern ein zweites Mal feierlich für die Tiere aufgetischt werden. Und neben den meisten Spielplätzen für die Kinder gibt es einen eigenen für die Hunde - mit Sand und extra Hundespielgeräten. Tadellos in Schuss.

Da könnte fast in Vergessenheit geraten, dass die späten Sultane des Osmanischen Reiches Straßenhunde als Bedrohung empfanden. Sie verbannten sie auf die Insel Hayirsiz, die "Insel der Nichtsnutze", im Marmarameer so nah an Istanbul gelegen, dass die Bürger - der Überlieferung nach - nachts das Gejaule hörten und schnell ihre Hunde wiederhaben wollten. Andere Erzählungen besagen, dass ein unmittelbar folgendes Erdbeben als Zeichen Gottes gedeutet wurde, dass man die Hunde sofort wieder in die Stadt zurückholen muss.

Mike Szymanski

London: Weiter Weg zum Hundekot-Mülleimer

So heißt "Hund": Dog So sagen Kinder dazu: Doggie Anzahl: In Großbritannien leben derzeit 8,5 Millionen Hunde, 24 Prozent der Haushalte haben einen. Meistgehörter Hundename: Poppy, Alfie Berühmtester Hund der Stadt: Pickles, der vor der Fußball-WM 1966 den verschwundenen Jules-Rimet-Pokal im Süden Londons fand. Der WM-Pokal war eine Woche zuvor gestohlen worden.

Für Hundekot gibt es in Großbritannien eigene Tüten, biologisch abbaubare "dog poo bags". Für diese wiederum gibt es eigene öffentliche Mülleimer. Diese sind rot. Leider verstehen nicht alle Touristen in London, dass diese Mülleimer wirklich nur für Hundekot gedacht sind. Da bis vor Kurzem in den meisten Supermärkten die Einkaufstüten nichts kosteten, haben viele Hundebesitzer vom Erwerb von "poo bags" abgesehen und stattdessen die Plastiktüten aus dem Supermarkt benutzt. Manchen Hundebesitzern erschien zudem der Weg zum nächsten roten Hundekot-Mülleimer bisweilen zu weit, weshalb sich besonders in Parks in den normalen Mülleimern reichlich mit Exkrementen gefüllte Supermarkt-Tüten fanden.

Das könnte sich aus zwei Gründen ändern. Zum einen kosten Tüten im Supermarkt seit neuestem fünf Pence. Zum anderen sollen bald landesweit Geldstrafen für Hundebesitzer eingeführt werden, die ihren Hund ausführen und keine "poo bags" dabei haben, ganz gleich, ob der Hund sich bei diesem Spaziergang gerade erleichtert oder nicht. Daventry in Northamptonshire ist die erste Stadt, in der die neuen Regeln gelten: Wer beim Gassigehen ohne "poo bags" erwischt wird, zahlt 100 Pfund.

Für sogenannte Kotschaufeln gibt es im Englischen übrigens das ausgesprochen schöne Wort "pooper scooper".

Christian Zaschke

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema