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Homophobie:Schwule Liebe in Zeiten des Shitstorms

Alex (links) und Manu Janjic führen eine Art öffentliche Beziehung.

(Foto: Privat)

Als jemand ein Foto ihrer Hochzeit ins Internet stellt, werden Manu und Alex mit homophoben Nachrichten überschüttet. Daraufhin beginnen sie, ihre Beziehung auf Youtube zu dokumentieren.

Wenn die beiden Männer sich küssen, Zähne putzen oder am Strand liegen, schauen ihnen ziemlich viele Leute zu. Auf Youtube sind es mehr als 4500, auf Facebook etwa 5500 Menschen, die Alex, 27, und Manu Janjic, 28, begleiten. Nicht jeden, aber doch viele ihrer Schritte dokumentieren sie auf ihrem Youtube-Kanal "ManeX Diaries". Und wo beginnt eine Liebe, die sich in Timelines aktualisiert, kommentiert, reflektiert? Klar, im Netz, in einer Facebook-Gruppe, hier heißt sie: "Gleichstellung unabhängig der sexuellen Orientierung". Liebe, das ist ja immer auch Zufall: Beide arbeiten 2010 in derselben Abteilung einer Bank, fast - einen Tag, nachdem Manu Janjic die Filiale wechselt, fängt Alex in dieser an. Knapp verpasst, um einen Tag, dumm gelaufen. Aber es gibt ja dieses Netz, das die Menschen manchmal doch zusammenhält.

Man kennt sich aus besagter Facebook-Gruppe, das Profilbild des anderen ist ihnen schon aufgefallen. Trotzdem vergeht ein Dreivierteljahr, bis die erste Nachricht von Manu kommt: "Kennen wir uns eigentlich?" Es geht hin und her, her und hin. Zwei Wochen später treffen sie sich vor dem Servicecenter der Verkehrsbetriebe, Duisburg Hauptbahnhof, draußen Sommerregen. Sie essen Burger, trinken Kaffee. Als sie nachts wieder vor dem Hauptbahnhof stehen, sagt Manu: "Das einzige, was noch fehlt, ist ein Kuss." Drei Wochen später sind sie ein Paar.

Dann, sie sind da bereits zwei Jahre zusammen, stirbt Alex' Mutter. "Manu ist mir nie von der Seite gewichen", sagt Alex, er nennt diesen Moment den "Knackpunkt" ihrer Beziehung. Logische Folge: Im Juli 2015 wird geheiratet. Die so sperrige behördliche Bezeichnung "eingetragene Lebenspartnerschaft" verwenden sie nicht, sie sagen: Hochzeit. Wie schön die war. Und wie unschön.

Zu Gast ist auch der Youtube-Star "Bibi" Heinicke, bekannt geworden durch Schminktipps im Internet. Als sie ein Bild von Manu und Alex postet, beginnt das, was man im Twitter-Jargon einen Shitstorm nennt: Hass, Drohungen, Wut. "Wir waren schockiert, dass die Jugend von heute so homophob ist", sagt Alex.

Kurz darauf gründen sie ihren Youtube-Kanal. Heiterkeit gegen Hass. Wieso? Kann man nicht für sich glücklich sein? "Weil wir zeigen wollen, dass Schwulsein normal ist", sagt Manu. Händchen haltend laufen sie trotzdem selten herum - weil es in der Praxis eben nicht so normal ist. Der Youtube-Kanal, er ist also auch ein Kampf. Eben einer mit Selfies, Streichen und Statements.