Hochzeits-Pannen "Auf keinen Fall Tante Inge einladen"

Hochzeitspannen als Programm: Ein Ehepaar nimmt am Valentinstag 2015 an einer Abenteuer Hochzeit in Thailand teil.

(Foto: picture alliance / AP Photo)

Da fiebert man monatelang auf diesen Tag hin - und dann das: der Schampus von fremden Leuten ausgetrunken, die Braut stundenlang unauffindbar und am Ende springt der Bräutigam betrunken und nackt in den See. Thomas Sünder ist Hochzeits-DJ und berät Brautpaare bei der Planung ihrer Hochzeit. In seinem Buch "Wer ja sagt, darf auch Tante Inge ausladen" hat er die häufigsten Pannen zusammengetragen und erklärt, wie sie sich vermeiden lassen.

Von Violetta Simon

Bei einer Hochzeit kann eine Menge schief gehen. Zumindest legen das die zahlreichen Pannen-Videos im Internet nahe.

Allerdings. Bei der Trauung selbst sind Pannen eher selten. Aber anschließend kann es peinlich werden. Etwa, wenn die Hochzeitsgäste im Freien einen Sektempfang vorfinden, der eigentlich für die nächste Gruppe gedacht ist, und alles austrinken. Womöglich befindet sich aber auch ausgerechnet an der Stelle, wo das Hochzeitsfoto mit den Gästen gemacht werden soll, plötzlich ein Spargelstand. Solche Dinge passieren.

Wie lässt sich so etwas verhindern?

Indem sich die Brautleute im Vorfeld den Ablauf genau überlegen und sich ein Bild von den Örtlichkeiten machen. Sie sollten zum Beispiel checken, ob der Trausaal einen eigenen Ausgang hat, wo man die Getränke aufbauen kann und ob samstags auf dem Kirchenplatz ein Markt stattfindet.

Nun kann man sich leider nicht gegen alles absichern.

Gegen schlechtes Wetter zum Beispiel. Aber mit einer guten Planung kann man sich auf das meiste vorbereiten und vorab Lösungen suchen. Noch wichtiger ist, dass das Brautpaar sich bei seinen Entscheidungen nicht das Zepter aus der Hand nehmen lässt.

Wie meinen Sie das?

Oft lassen sich Paare bei der Planung ihrer Hochzeit irgendwelche Vorstellungen von außen aufdrücken. Das Wichtigste ist aber nicht, die Erwartungen der anderen zu erfüllen, sondern die eigenen Wünsche zu berücksichtigen. Manche Leute haben eigentlich keine Lust auf Hochzeitsspiele, schadenfrohe Diashows und stundenlange Vorträge. Oder wünschen sich keine Haushaltsgeräte, sondern Geld. Oder wollen bestimmte Leute nicht dabei haben.

Wie lässt sich so etwas durchsetzen?

Indem sich das Paar Verbündete sucht, denen es vertraut. Sogenannte Zeremonienmeister. Über die geben die Brautleute bekannt, was sie wollen und was nicht.

Beginnen wir mit der Gästeliste. Wen darf man ausladen, wen nicht?

Ich empfehle, nur Leute einzuladen, die Sie wirklich dabei haben wollen. Das ändert auch gleich die Atmosphäre. Es werden viel zu oft Kollegen aus Höflichkeit oder irgendwelche entfernten Tanten und Cousins aus Rücksicht auf Familienbande eingeladen, mit denen die Heiratenden im Alltag nichts zu tun haben. Nur, weil sie vielleicht selbst bei ihnen eingeladen waren. Irgendwen wird man immer vor den Kopf stoßen, denn man kann ohnehin nicht alle einladen.

Manchen Zwängen muss man sich aber auch beugen.

Sicher gibt es Grenzen. Zum Beispiel ist es unmöglich, den Partner eines Freundes nicht einzuladen, auch wenn man ihn noch nicht kennt. Eine Hochzeit ist schließlich ein Fest der Liebe. Deshalb ist es auch schwierig, Kinder auszuschließen. Explizit ausladen sollte man dagegen Leute, die sich auf vergangenen Feiern wiederholt daneben benommen haben, etwa Kampftrinker, die sich peinlich aufführen. Und allen voran eine ganz besonders unangenehme Sorte Gast - ich nenne sie "Tante Inge".

Tante Inge?

Das ist der Prototyp für Menschen, die einem ihre Vorstellungen aufdrängen wollen, wie eine Hochzeit zu sein hat. Man sollte Tante Inge schon deshalb nicht einladen, weil er garantiert nur Sachen macht, auf die das Brautpaar keine Lust hat: doofe, langweilige Hochzeitsspiele zum Beispiel.

Was versteht diese Tante Inge denn unter einem gelungenen Unterhaltungsprogramm?

Beiträge, die nichts mit dem Brautpaar zu tun haben und alle Anwesenden zu Tode langweilen. Peinliche Schnappschüsse von Junggesellenabschieden, kompromittierende Fotos aus der Jugend. Vor allem aber Spiele, die gezielt darauf ausgerichtet sind, das Brautpaar zu erniedrigen. Sehr beliebt ist ja das Spiel "Bräutigam füttern", bei dem die Braut ihrem Partner, ohne etwas zu sehen, von hinten Babybrei und andere Dinge in den Mund stopfen muss.

Soll lustig sein, kann aber auch daneben gehen.

Ich habe Bräute gesehen, die bei einer verpatzen Aufführung in Tränen ausbrachen. Oder Bräutigame, die sich aus Frust über ihre eigenen Feier betranken und nackt in den See sprangen. Und zu Tode gelangweilte Gäste, die bei nicht enden wollenden Monologen vor Müdigkeit beinahe von den Stühlen rutschten.

Überaus beliebt ist ja auch die Brautentführung.

Die schlimmste Unsitte überhaupt. Da plant man ein Jahr lang die Hochzeitsfeier, jede Minute ist durchdacht, die Braut konnte sich erst mit ein paar Gästen unterhalten. Und dann? Wird sie von ihrer eigenen Hochzeit in eine Spelunke verschleppt und sitzt dort ein oder zwei Stunden fest. Im schlimmsten Fall sucht der Bräutigam nicht einmal nach ihr, weil er nicht bemerkt, dass sie weg ist. Einmal zog sich die Angelegenheit über mehrere Stunden hin, das Ganze hat nicht nur die Stimmung zerstört, sondern auch eine Freundschaft - die zwischen den Brautleuten und den Entführern.