Hochzeit bei den Hohenzollern Oui auf Sanssouci

Ein Hauch royaler Romantik weht durch Potsdam: Kaiser-Nachkomme Georg Friedrich Prinz von Preußen heiratet seine Jugendliebe in der Friedenskirche von Schloss Sanssouci. Mit der Trauung von Prinz William und Kate Middleton hat diese Hochzeit trotz des Pomps kaum etwas gemein - außer einem Auto und dem Blumenschmuck.

Von Lena Jakat

Viel Zeit bleibt Jörg Näthe nicht mehr. Um 12 Uhr muss der letzte Rittersporn, der letzte Zweig Schleierkraut sitzen: Der Gärtner ist verantwortlich für den Blumenschmuck jener Hochzeit, die Potsdam an diesem Wochenende einen Hauch von London verleiht. Georg Friedrich Prinz von Preußen wird in der Friedenskirche im Schlosspark von Sanssouci seine Jugendliebe heiraten, ebenfalls aus allerbester Familie: Sophie Prinzessin von Isenburg.

Hoher Besuch zur Prinzenhochzeit

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Es ist der Pflanzenschmuck, in dem in Potsdam übrigens die Gemeinsamkeit zur königlichen Hochzeit von Prinz William und Kate Middleton steckt: Die Laubbäumchen, die in Westminster Abbey von der Decke hingen, sollen aus derselben brandenburgischen Baumschule stammen wie jener Bux und Lorbeer, der den Weg von Georg Preußen und seiner Braut säumen wird. Das war es dann allerdings auch schon fast mit den Parallelen.

Anders als der Metzger aus Kate Middletons Heimatdorf ist Jörg Näthe nicht zur Hochzeit geladen. "Darum ist es mir und meiner Frau wirklich nie gegangen", beteuert der Gärtner. Anders als bei der Trauung vor drei Monaten in London tritt in Potsdam auch nicht der künftige Staatschef vor den Altar, sondern ein Betriebswirt, der sich auf die Vermarktung von Innovationen aus dem Hochschulbereich spezialisiert hat.

Schließlich wurde der Adelsstand in Deutschland vor fast hundert Jahren abgeschafft und der Titel hinter den Vornamen gerückt: Deswegen heißt es "Georg Prinz von Preußen" und nicht wie in der britischen Monarchie "Prinz William". Auch wird die ökumenische Trauung - der preußische Bräutigam ist Protestant und die hessische Braut Katholikin- nicht live auf vier deutschlandweiten Programmen gleichzeitig zu sehen sein, sondern nur im RBB und im SWR. Und weder wurde die gesamte Potsdamer Innenstadt gesperrt, noch haben Scharfschützen auf dem Dach von Sansscouci Stellung bezogen - zumindest soweit bekannt.

Und doch: Obwohl man meinen könnte, 40 Jahren Sozialismus hätten adlige Reverien endgültig und spurlos beseitigt, umweht die Preußen-Hochzeit durchaus royaler Glamour. Denn verwandtschaftlich ist die Familie Hohenzollern noch immer eng mit den Herrscherhäusern Europas verbunden. "Hochrangige Vertreter" des europäischen Hochadels würden erwartet, ist überall zu lesen, konkret heißt das: Traditionell dürften all jene Dynastien einen Vertreter zur Hochzeit entsenden, die nach dem Wiener Kongress von 1814/15 noch regierten. Zwar wird, wie Deutschlands bekanntester Adelsexperte Rolf Seelmann-Eggebert erläutert, die Königin von England auf keinen Fall unter den Gästen sein. Aber auf jemanden wie Prinzessin Beatrice (die mit dem Hut) dürfen die Schaulustigen im Park von Sanssouci hoffen.

Mit Rolls und Sechsspänner

Sophie Isenburg, wie ihr Zukünftiger Betriebswirtin und - ebenso moralisch vorbildlich wie zeitgemäß - als Beraterin für gemeinnützige Organisationen tätig, wird wie Miss Middleton im Rolls Royce zur Friedenskirche bei Sanssouci fahren. Während ihr Gatte einen Cut tragen wird, bleibt das Kleid der 33 Jahre alten Braut bis zur Trauung traditionell streng geheim.

Zwar waren die Anwohner von Burg Hohenzollern schon einigermaßen enttäuscht, dass die Hochzeit nicht auf dem baden-württembergischen Stammsitz der Familie stattfindet, dessen Oberhaupt Georg Friedrich seit 1994 ist. Aber Sanssouci taugt als Hochzeitskulisse einfach besser: mit seiner Fassade im Rokoko-Stil, den weitläufigen Gärten und romantischen Lustbauten. Außerdem ist Schloss Sorgenfrei seit Mitte des 18. Jahrhunderts der Ort, an den sich die Mitglieder des preußischen Könighauses und ihre Nachkommen zurückziehen, wenn sie für sich sein wollen. Die Beziehung der Hohenzollern zu Sanssouci habe sehr lange schon einen "emotionalen Anstrich", sagte der Historiker Peter-Michael Hahn den Potsdamer Neuesten Nachrichten.

Und auch wenn nicht die ganze Stadt gesperrt wird: Tausende Schaulustige werden erwartet, wenn die Frischvermählten nach der Hochzeit, zelebriert von Altabt Gregor Henckel von Donnersmarck (ja, es ist sein Onkel) und Pfarrer Michael Wohlrab, eine Kutsche besteigen. Natürlich wird es nicht irgendeine Kutsche sein, mit der das Preußen-Paar fahren wird, sondern ein sogenannter blauer Landauer: Offen und mit blauem Samt ausgeschlagen, gezogen von Calitor, Agulan, Salon, Nero, Phantolist und Parey - sechs ausgewählten Füchsen aus dem Brandenburgischen Landes- und Hauptgestüt.

Die Brautleute werden die von jubelnden Untertanen, pardon, Potsdamern gesäumte Schopenhauer Straße entlang, an der Vorderfassade des Schlosses vorbei, zu den Neuen Kammern fahren. In dem Nebengebäude des Schlosses werden etwa 1300 hochrangige Gratulanten erwartet. Wer keinen Platz mehr an der Strecke bekommt, oder keine Lust auf das Gedränge hat, verfolgt die pompöse Zeremonie vor dem Fernseher. So wie der Gärtner Jörg Nöth und seine Frau Heidi. Aus dem Brandenburger Landtag hatte es durchaus Kritik an der Übertragung gegeben. "Ich bin sicher, dass es darüber Diskussion geben wird bei der nächsten Aufsichtsratssitzung", sagte SPD-Generalsekretär Ness, der auch Mitglied des RBB-Rundfunkrates ist.

Doch der Sender ließ sich nicht beirren: Vier Stunden wird live von Potsdams Prinzessinnen-Träumerei berichtet, kommentiert von Seelmann-Eggebert. Doch schon am Abend, wenn sich Sophie und Georg Friedrich, fern von Kameras und Neugierigen mit 370 ausgewählten Gästen zum Diner in der Orangerie niederlassen, wird der Rummel vorüber und Bürgermeister Jann Jakobs wieder der einzige König von Potsdam sein.

Gut behütet

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