bedeckt München 17°

Hobby:Abgehoben

Jannes ist 13 Jahre alt und lebt in München. Früher hat er gern Flugzeuge gemalt, heute baut er sie selbst. Und was für welche! Mit Propellern und staubsaugerlauten Turbinen.

Nur beim Start braucht dieser Flieger Hilfe von Jannes Papa. Danach fliegt er alleine.

(Foto: Stefanie Preuin)

Jannes wirkt angespannt. Der 13-Jährige stellt sein Modellflugzeug auf den Boden und überprüft ein letztes Mal, ob die Fernbedienung mit dem Empfänger verbunden ist. Ein lautes Piepen verrät: Alles okay. Jannes überreicht den Flieger seinem Vater und sagt: "Wirf den Jet kräftig in die Luft, damit er genug Auftrieb hat". Drei, zwei, eins - und Aaaabflug! Die Turbine springt an und dröhnt ohrenbetäubend. Fliegt da etwa ein Staubsauger über die Münchner Theresienwiese?

Nein, es ist Jannes' erster selbstgebauter Turbinenjet. Bisher hat Jannes Propeller an seinen Fliegern verbaut, nun sorgt die Turbine im Rumpf des Flugzeugs für den Anschub. Flugzeuge fand er schon immer toll. Als kleiner Junge hat er sie nur gemalt. Vor zwei Jahren hat er dann angefangen, Modellflieger zu bauen, und ist total begeistert: "Ich find es cool, etwas zu bauen, das am Ende auch fliegt." Das Wissen hat sich Jannes durch Youtube-Videos angeeignet. Flugzeugbauer zeigen in den Videos haarklein, wie alles funktioniert. Das notwendige Material bestellt er im Internet.

Alles noch heil? Manchmal landet ein Flieger unsanft auf dem Boden. Meist kann Jannes sie aber mit wenigen Handgriffen reparieren.

(Foto: Stefanie Preuin)

So einen Flieger zu bauen, sei gar nicht so einfach. Die Größe, die Höhe und das Gewicht des Flugzeugs, die Spannweite, der Schwerpunkt - alles muss perfekt aufeinander abgestimmt sein. Sonst passiert es schnell, dass die Maschine vorne überkippt. Jannes hat lange getüftelt, bis eines seiner Flugzeuge tatsächlich geflogen ist. Sein wichtigstes Baumaterial ist Foam. So nennt er das extrem leichte, flach gepresste Schaummaterial, das durch Papierlagen auf beiden Seiten stabil gehalten wird. Den Foam schneidet und biegt er zurecht, je nachdem, welche Form und Windschnittigkeit er erzeugen will.

Den Turbinenjet hat er erst gestern neu zusammengebaut. Bevor er den Flieger noch mit Sprühfarbe verschönert, testet er, wie gut er fliegt. Mit dem Anschub durch seinen Vater klappt es schon sehr gut. Jannes steuert den Flieger zwei große Runden um sich herum und lässt ihn dann auf der steinigen Wiese landen - eine holprige Angelegenheit. Das Fahrwerk bricht ab. "Kein Problem", sagt Jannes und steckt die Räder wieder an.

Höhe, Größe, Gewicht, Spannweite: Alles muss perfekt passen, damit das Flugzeug in der Luft nicht einfach umkippt und abstürzt.

(Foto: Stefanie Preuin)

Schaulustige stellen sich mit respektvollem Abstand um den Flugkünstler auf. "Die sollten auch besser nicht näher kommen", sagt Jannes. Sein Flieger kann auf bis zu 30 Kilometer die Stunde beschleunigen - und ist damit schneller unterwegs als ein Elektroroller. Die spitze Flugzeugnase möchte man auch lieber nicht an die Schläfe bekommen. Bis zu einem Gewicht von maximal fünf Kilogramm sind seine Flieger aber über die Familienhaftpflicht versichert.

Kabelsalat: Um das Flugzeug mit einer Fernbedienung vom Boden aus steuern zu können, muss die Elektronik richtig verdrahtet sein.

(Foto: Stefanie Preuin)

Zu Hause in Jannes Kinderzimmer sieht es aus wie in einer Tüftlerwerkstatt. In der Mitte des Raumes steht ein riesiger Schreibtisch. Darauf lagern sein Jet, eine Propellermaschine, ein Segelflugzeug, eine Heißklebepistole und zwei große Fernbedienungen. Sein Bett befindet sich direkt daneben. Wenn er aufwacht, blickt er als Erstes auf seine Flieger und dann auf das grüne Blätterwerk vor seinem Fenster. Gerade liegt Gismo auf seinem Bett - ausnahmsweise. Die schwarze Mischlingshündin versteckt sich vor dem nahenden Gewitter.

Ob Jannes gerne ein Flugzeug bauen will, in dem er selbst sitzen kann? Er lacht und sagt: "Dafür reicht der Platz in meinem Zimmer nicht aus." Doch wenn er mit der Schule fertig ist, möchte er einen Helikopterführerschein machen und für die Polizei oder den ADAC fliegen. Bis es so weit ist, hat er aber eine gute Alternative gefunden, um ein wenig Fluggefühl zu erzeugen.

An der Vorderseite seiner Flieger kann er eine kleine Kamera anbringen. Die Kamera ist mit einer Visual-Reality-Brille verbunden und sendet Echtzeitdaten zu ihm. Hat Jannes die Brille auf, wird vor seinen Augen das abgebildet, was die Maschine aus der Luft filmt. "So sitze ich quasi im Cockpit und sehe alles aus den Augen meines Flugzeugs", sagt er. Fast so schön wie selber fliegen!

Bisher hat Jannes vor allem Propeller-Flugzeuge wie dieses gebaut. Doch seit Kurzem sorgen Turbinen im Rumpf für den Antrieb.

(Foto: Stefanie Preuin)