An einem Abend im Mai fand Ona Judge die Freiheit. Die Familie ihres Herrn hatte sich zum Abendessen versammelt, und die 23-jährige Sklavin verließ unbeachtet das prächtige Haus in Philadelphia und tauchte in der Dunkelheit unter. Sie versteckte sich zunächst bei Freunden in den Schwarzenvierteln der Stadt. Man schrieb das Jahr 1796. Ihre Besitzerin, die Frau des großen Herrn, war sprachlos. Ona Judge war ihre Kammerdienerin gewesen und wurde nun als runaway per Zeitungsanzeige gesucht: „Oney Judge ist ein hellhäutiges Mulattenmädchen, mit vielen Sommersprossen, sehr dunklen Augen und dichtem Haar ... Da es keinen Verdacht gab, dass sie flüchten wollte, und ihr auch kein Unrecht getan wurde, das sie dazu veranlasste, ist es schwer zu sagen, was ihr Plan ist ... Zehn Dollar werden jeder Person gezahlt, die sie zurückbringt.“ Ein Bild von Ona Judge gibt es nicht.
HistorieGeorge Washington und das Mädchen mit den Sommersprossen
Lesezeit: 9 Min.

Ein Kulturkampf-Streit in Philadelphia erinnert daran: Der Freiheitsheld und erste Präsident der USA war auch Sklavenhalter. Über moralische Widersprüche eines Gründervaters – und eine junge Frau, die sich widersetzte.
Von Joachim Käppner

Historie:Der Mann, der Amerikas Seele rettete
CBS setzt die Show des Trump-kritischen Starjournalisten Stephen Colbert ab. Schon einmal hat der US-Sender einen berühmten Moderator gefeuert: Ed Murrow. Er hatte zum Kampf gegen Hitler aufgerufen und den rechten Agitator McCarthy gestürzt.
Lesen Sie mehr zum Thema