Hell's Kitchen (XXIV) Knebelvertrag

Als unser Autor nach New York zog, suchte er nicht nur eine Stammkneipe, sondern auch ein möglichst teures Fitnessstudio, das er spätestens drei Wochen nach Vertragsabschluss nie wieder betreten würde. Doch so einfach war es nicht.

Von Christian Zaschke

Nachdem ich, was nun auch schon wieder eine ganze Weile her ist, in Hell's Kitchen angekommen war, suchte ich als Erstes eine Bar, an deren Tresen man es gut aushalten kann. Das gelang rasch. Als Zweites machte ich mich auf die Suche nach einem Fitnessstudio. Ich plante, einen langjährigen Knebelvertrag zu unterschreiben und nach circa drei Wochen nie wieder hinzugehen. So habe ich es an all meinen Wohnorten gehalten, die Methode hat sich bewährt. Ersten Recherchen zufolge schien die einzige Frage zu sein, ob ich einen extrem teuren Vertrag abschließen würde oder einen grotesk teuren, garniert mit einer Aufnahmegebühr, von der man in Austin, Texas, ein Haus kaufen kann.

Ich schaute mir mehrere Studios an und sagte den Studiomenschen jedes Mal, dass sie definitiv in der engsten Wahl seien. Wochenlang machte ich das, was viel damit zu tun hatte, dass ich es sehr genoss, nicht ins Fitnessstudio zu gehen und trotzdem keine Mitgliedsbeiträge zu bezahlen. Dieses Gefühl kannte ich gar nicht mehr.

Die Studios wurden nervös. Sie schrieben mir Mails. Wenn ich jetzt sofort zum Unterschreiben des langjährigen Knebelvertrags erschiene, halbierten sie die Aufnahmegebühr. Eine Woche später boten die ersten an, auf die Aufnahmegebühr zu verzichten.

Die Kette Equinox lockte mich mit einem, wie sie schrieb, für New Yorker Verhältnisse sensationell günstigen Monatsbeitrag von 185 Dollar. Dafür wurden nach Eukalyptus duftende Handtücher versprochen. Leider hat die Filiale in Hell's Kitchen sonntags zu. Das hätte mir egal sein können, weil ich eh nicht vorhatte hinzugehen, es störte mich aber, weil ich mir für 185 Dollar im Monat selbst aussuchen will, wann genau ich nicht hingehe.

Ein Studio mit dem Namen TMPL (meinen Hinweis, dass sie da offenbar gleich zweimal den Buchstaben "E" vergessen hätten, quittierten sie mit einem Gesichtsausdruck völliger Verständnislosigkeit) konterte mit einem Monatsbeitrag von 179 Dollar. TMPL scheint allerdings nicht so richtig zu laufen, heute verscherbeln sie die Mitgliedschaft für lächerliche 119 Dollar im Monat. Ich weiß das, weil sie mir immer noch einmal pro Woche schreiben. Flehentlich, bilde ich mir ein.

Damals entdeckte ich beim Erkunden der Gegend zufällig ein Studio namens Planet Fitness, gleich bei mir um die Ecke. Das hatte ich bis dahin übersehen. Ich ging hinein und fragte nach den Preisen. Sie sagten, es koste zehn Dollar im Monat und ich könne jederzeit kündigen. Sie hätten rund um die Uhr geöffnet. Ja, ich hätte richtig gehört, ZEHN Dollar im Monat. Nein, die Sache habe keinen Haken.

Ich quittierte diese Information mit einem Gesichtsausdruck völliger Verständnislosigkeit. Dann unterschrieb ich den Vertrag und gehe seither jede Woche zweimal trainieren, weil es einfach zu billig wäre, nicht hinzugehen.