Heiraten in China Die Hochzeit meines schlimmsten Feindes

China entdeckt die Themen-Trauung: Vor allem die Military-Variante liegt im Trend - denn der Bräutigam tritt als rettender Held auf.

Von Henrik Bork

Die Ehe kann zum Schauplatz im Krieg der Geschlechter werden. Warum also nicht schon die Hochzeit im Military-Stil feiern? So konsequent denkt die wachsende Zahl von Chinesen, die sich für eine entsprechende Themenhochzeit entscheidet. Blumen werfen kann jeder, sind falsche Handgranaten nicht viel aufregender? Agenturen bieten den Spaß im Sparpaket an, inklusive Armee-Jeep, Plastik-Kalaschnikows für die Trauzeugen und Stacheldraht für die Atmosphäre.

Heiraten zwischen Gewehren: In China werden Hochzeiten im Military-Stil immer beliebter.

(Foto: Foto: AP)

Die Kleiderordnung für den großen Tag ist dadurch natürlich etwas komplizierter als sonst. Er habe "Camouflage-Mäntel, Helme, Knieschoner, Handschellen, Soldatenstiefel und einen Laser" gebraucht, berichtet ein frisch Verheirateter im Interview mit Chenbao QQ.

Dann aber ging nichts mehr schief. Er habe es geschafft, generalplanmäßig alle "Terroristen" niederzukämpfen, die seine Braut entführt hätten, und sie am Ende "wie im Hollywood-Film zu küssen", berichtete der Glückliche. "Du bist großartig", hauchte sie zur Belohnung. Und sagte "ja".

Viele der Kunden, die sich für eine solche Heldenhochzeit im Military-Look begeistern können, sind Fans von militanten Computerspielen wie "Counter Strike". Wenn sie sich schon für ein Ereignis im wirklichen Leben vom Bildschirm losreißen müssen, dann soll es nicht allzu fremd zugehen. Zur Erinnerung - darum geht es ja - bleiben dann schön grimmige Hochzeitsfotos, von denen bloß niemand am Ende behaupten soll, sie seien gewöhnlich. Für die Hochzeitsgäste werden an "Kommandoposten" Süßigkeiten verteilt.

Zum Glück, könnte man sagen, trifft dieses Angebot nicht den Geschmack aller Chinesen. Beliebt sind auch die viel friedlicheren Unterwasserhochzeiten in Groß- Aquarien. Die Braut Lin Teng und ihr Bräutigam Wu Wei etwa haben sich in einem Fischtank in Qingdao trauen lassen, wie der Webseite der Volkszeitung zu entnehmen war. Zu Brautkleid und Smoking trugen sie Flossen. Der erste Gratulant nach dem Ja-Wort war eine Wasserschildkröte, die zufällig vorbeischwamm.

Bei der großen Mehrzahl der Hochzeiten in China, besonders auf dem Land, geht es aber noch traditionell zu. Das Fest ist vor allem ein großes Bankett, und der Alkohol fließt reichlich. Doch seit Beginn der Reformära wächst bei vielen der Wunsch nach einem originellen Erlebnis. Selbst unreligiöse Paare heiraten jetzt gerne vor einem Altar.

Hotels haben begonnen, kleine "spanische Kapellen" zu bauen, um solche Wünsche zu bedienen. Die Japaner sind den Chinesen dabei übrigens einige Jahrzehnte voraus. Da sind religiöse "Themenhochzeiten" landesweit längst ein millionenschweres Geschäft.

Doch auch in China ist das Angebot inzwischen vielfältig. Ein Paar heiratete kürzlich im Heißluftballon, in einer Höhe von 114 Metern. Sie hatte erst kurz vorher von dem Plan erfahren - wahrscheinlich zu spät für ernsthaften Widerstand. Auch diese Varianten hat es schon gegeben: Eine Heirat an zwei Kletterseilen, die von einem Hochhaus hingen, andere, bei denen der Bräutigam entweder als Hase, als Rotgardist oder als "halbnackter Wilder" verkleidet war, sowie eine komplette Hochzeit auf Rollschuhen. Für ein wirklich einzigartiges Foto werden sich künftige Paare also einiges einfallen lassen müssen.

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