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Heimwerkerabende für Frauen:"Frauen wollen es endlich selber machen"

43 Prozent der Kunden in Baumärkten sind inzwischen weiblich, sagt der Handelsverband Heimwerken, Bauen und Garten (BHB). Und das Marktforschungsinstitut Forsa fand unter 1084 Frauen in Baumärkten heraus: 75 Prozent greifen zur Bohrmaschine, weil es billiger kommt als der Handwerker. 60 Prozent tun es für das Selbstbewusstsein. Und jede dritte Frau bohrt und dübelt, weil es eben der Partner nicht tut. "Frauen wollen es endlich selber machen", sagt Mareike Hermann von der DIY Academy in Köln. Hermann will die Hemmung lösen, wie eine angezogene Handbremse. Die DIY Academy ist spezialisiert auf Frauenkurse, oft übernimmt sie die Organisation. 2011 waren es 59 Kurse, ein Jahr später 88 und letztes Jahr dann 284. Das sind 220 Prozent Steigerung in einem Jahr.

22 Uhr. Pause in Köln-Kalk. Denise lässt sich auf eine der Bierbänke fallen. Rechts Rattansessel für die Terrasse, links die neue Grillkollektion. Denise nippt an einem Sektglas, auf den Tischen stehen Gemüsesticks und Dips. Aus den Lautsprechern dudelt Ina Müller: "Wenn du nicht da bist." Ein paar Meter von Denise entfernt wippt Heinz-Dieter Konrad mit dem Fuß. Konrad ist Bauhaus-Geschäftsführer für Nordrhein-Westfalen, graue Haare, streng nach hinten gekämmt. 400 Teilnehmer, wieder ein Rekord für Konrad.

Eine fünfstellige Summe kostet ihn der Abend, genauer will er es nicht sagen. Der Eintritt ist kostenlos. Und Geschenke gibt es auch. Konrad will die Frauen über die Kurse für seine Produkte begeistern. "Es geht um eine neue Kundschaft", sagt er. Die Abende macht Bauhaus seit 2007, noch nie waren sie so erfolgreich wie jetzt. "Geht ja zu Hause alles von der Frau aus", sagt Konrad und lacht, er meint die Nestverschönerung.

Der Baumarkt war mal der letzte Rückzugsort des Mannes, wie der Schuppen oder der Hobbykeller, ein glücksstummer Hort. Doch das knallharte Dübel- und Bohrer-Geschäft hat ein Problem: Es fehlt der Nachwuchs. "Bau- und Heimwerkermärkte müssen sich in Bezug auf ihre Zielgruppen und ihre Sortimente neu orientieren", sagt Boris Hedde, Geschäftsführer des Instituts für Handelsforschung (IFH) in Köln. Der Umsatz schrumpft. Wie es weiter geht, weiß niemand. Praktiker und Max Bahr verschwinden gerade vom Markt.

"Frauen stehen auf Beratung"

Weibliche Kunden sind eine Chance, fast schon ein Muss. Auch deshalb ändere sich gerade viel, sagt Hedde. Die Regale werden niedriger, die Beratung besser. Die Märkte spielen Videos ins Netz, die beim Bau eines Carports helfen sollen. Es gibt jetzt simples Klick-Laminat und einen Akkuschrauber, der 300 Gramm wiegt, so viel wie eine elektrische Zahnbürste. Auf ein Sondermodell hat Bosch Glitzersteinchen gesetzt. Das musste wohl sein.

Wenn Gabi Lück vom Glitzer-Bohrer hört, wird sie laut. Pinke Werkzeugkisten, Bohrer, Hämmer "only for girls". Die Beraterin nennt das plump.

Lücks Agentur Thinknewgroup sitzt in München und ist auf Frauen-Marketing spezialisiert. Lücks Aufgabe ist es, zu wissen, was Frauen wollen und was nicht. "Männer stehen auf Leistung, Frauen auf Beratung", sagt Lück. Während der Mann die Leistung einer Kettensäge bewundert, redet die Frau mit dem Verkäufer. Zu lange habe man Frauen in Baumärkten für doof gehalten. Ein Verkäufer fragte Lück einmal: "Warum kommt Ihr Freund nicht selbst?"

22:28 Uhr. Denise schwitzt. Zwischen zwei Hochregalen schmiert sie grauen Fliesenkleber auf eine Wand. "Grundieren ist das A und O", sagt der Kursleiter, "am besten mit einer 6er Zahnspachtel." Denise legt eine Fliese an die Wand und lässt los. Die Fliese hält.

An einem Regal lehnt Regina und schreibt mit. Sie ist 49 Jahre alt, trägt Stiefel und Mantel. Seit ihr Mann ausgezogen ist, macht sie zu Hause praktisch alles selbst. Als nächstes fliest sie die Küche.

"Auf Männer braucht man gar nicht mehr hoffen", sagt Regina und schiebt ihren Notizblock in den Mantel. Die meisten hätten keine Ahnung. Und wollten es nicht mal wahrhaben. "Mein Schwiegersohn zum Beispiel", sagt Regina und seufzt. Informatiker, zwei linke Hände. "Wenn der einen Bohrer in die Hand nimmt, würde ich lieber in Deckung gehen", sagt sie, diesmal lacht sie. Frauenhumor.