bedeckt München 11°

Haushalt, Kinder, Pflege:Kinder wickeln und Eltern pflegen - das erledigen Frauen parallel zum Job

Gerade erst hat die Kulturwissenschaftlerin Angela McRobbie im SZ-Magazin beschrieben, was die Frau zum idealen Mitglied einer neoliberalen Gesellschaft macht: "Sie soll unabhängig sein, Geld verdienen und eine Karriere anstreben." Ständig müssten Frauen sich selbst und allen dabei beweisen, wie perfekt sie sind. Bestraft würden die, "denen das Management ihres Lebens nicht gelingt", so McRobbie weiter.

Und zum Lebens-Management gehört für Frauen auch weiterhin die Care-Arbeit. Denn was die toughen Feministinnen und die patenten Wirtschaftspolitiker nicht umsetzen konnten oder wollten, ist parallel zur beruflichen Gleichberechtigung der Frauen im gleichen Maße die Männer zur Übernahme von Fürsorgeaufgaben zu bringen. Die Konsequenz: Kinder wickeln, staubsaugen und die kranken Eltern pflegen - das erledigen viele Frauen heute noch parallel zu ihrem Job.

Dass trotz einer Kanzlerin und einem Heer bestens ausgebildeter Akademikerinnen auch im Jahr 2015 noch eine Frauenquote notwendig ist, um die Unternehmen an weibliche Führungskräfte zu gewöhnen, zeigt, wie weit im beruflichen Feld der Weg zu echter Gleichberechtigung von Männern und Frauen noch ist. Noch drastischer zeigt sich dies jedoch im Privatleben - spätestens dann, wenn das erste Kind geboren wird.

"Bis zu diesem Moment sagen sehr viele Paare: Wir teilen uns alle Bereiche, Beruf und Hausarbeit fair auf", beobachtet die Soziologin Senghaas-Knobloch. Ist dann das Baby da, stellt sich die Situation ganz anders dar - Paare fallen in die alten Rollenklischees zurück, die sie zumeist noch von ihren eigenen Eltern kennen. "Sobald die finanzielle Rechnung aufgemacht wird, um zu entscheiden, wer beruflich aussetzt oder kürzer tritt, gibt die immer noch oft schlechter bezahlte Frau ihren Job auf", nennt Senghaas-Knobloch einen der Hauptgründe.

Hier kommt es dann außerdem noch zu den Wechselwirkungen mit der Arbeitswelt, die auch im Berufsleben die Benachteiligung von Frauen weiter betonieren. Denn wer im Beruf pausiert, verbaut sich noch immer Karrierechancen. Wer Teilzeit arbeitet, wird schlechter bezahlt. Und beim zweiten Kind ist das Gehaltsgefälle dann noch größer.

Elterngeld - Maßnahme mit homöopathischem Effekt

Sicher, Maßnahmen wie das Elterngeld zeigen durchaus einen Effekt - der aber wohl eher einer homöopathischen Behandlung gleichkommt. Gerade einmal 30 Prozent der Väter nutzen die Elternzeit und setzen beruflich aus, um sich um den Nachwuchs zu kümmern (oder endlich eine Weltreise zu machen). Knapp 80 Prozent derer, die pausieren, wählen den kürzest möglichen Zeitraum, um die finanzielle Unterstützung in Anspruch nehmen zu können: also zwei Monate. Der Datenjournalist Björn Schwentker konstatiert: "Der Trend geht eher zu einer finanziellen Mitnahmementalität denn zu echter Arbeitsteilung am Wickeltisch."

Was die wichtigste und nicht zu unterschätzende Erkenntnis vieler Väter sein dürfte: was für ein knallharter Job diese Sache mit dem Haushalt und der Kinderversorgung ist. Immerhin werden sie ihrer Partnerin hierfür etwas mehr Hochachtung entgegenbringen, wenn sie sich nach zwei Monaten Care-Praktikum wieder in den Beruf zurückkehren. Es bleibt abzuwarten, wie sich das seit Anfang des Jahres geltende Elterngeld Plus auswirkt. Deutlich mehr Erfolg für die Gleichberechtigung verspricht wohl ein anderes politisches Projekt: die 32-Stunden-Woche.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema