Süddeutsche Zeitung

Familien-Newsletter:Wie gefährlich sind Hausgeburten?

Lesezeit: 2 min

Nur wenige Frauen entscheiden sich gegen eine Geburt in der Klinik, trotzdem ist die Debatte aufgeheizt.

Von Elisa Britzelmeier

Dieser Text stammt aus dem Familien-Newsletter der Süddeutschen Zeitung, der jeden Freitagabend verschickt wird. Hier können Sie ihn abonnieren.

Liebe Leserin, lieber Leser,

wie wurden Sie geboren? Und wie Ihr Kind oder Ihre Kinder?

Ich weiß, ziemlich persönliche Fragen - aber meiner Meinung nach auch ziemlich wichtige. Es ist, um einen der Slogans von Kämpferinnen und Kämpfern für die natürliche Geburt zu zitieren, eben nicht egal, wie wir geboren werden. Und unter welchen Umständen wir gebären müssen.

98 Prozent der Kinder kommen in Deutschland im Krankenhaus zur Welt, zwei Prozent außerklinisch, also zu Hause oder im Geburtshaus, wo die Gebärenden von Hebammen begleitet werden, ohne Ärzte. Zwei zu 98, das ist ein ziemlich kleiner Anteil. Und doch ist die Aufregung um außerklinische Geburten recht groß. Mancher Chefarzt würde sie am liebsten verbieten. Ob ein solches Verbot sinnvoll ist? Meine Kollegin Friederike Grasshoff sagt ja, Meredith Haaf sagt nein, hier tauschen sie ihre Argumente in einem Pro-Contra aus.

Vielleicht ist die Aufregung bei dem Thema deswegen so groß, weil Geburt so ein Ausnahmezustand ist - und gleichzeitig so alltäglich. Wie eine Geburt ganz genau abläuft, das hat meine Kollegin Mareike Nieberding in diesem sehr lesenswerten Text im SZ-Magazin beschrieben.

Und was passiert wirklich in der außerklinischen Geburtshilfe? Zohra Schardt arbeitet als Hausgeburtshebamme in München und Umgebung und ich durfte sie im vergangenen Jahr bei ihrer Arbeit begleiten. Sie kennt die Vorbehalte - sie kennt aber auch den Klinikalltag. Als sie noch im Krankenhaus arbeitete, musste sie oft vier, fünf Frauen gleichzeitig betreuen. Manchmal war sie froh, wenn am Ende der Schicht alle überlebt hatten.

In meiner Reportage beschreibe ich, wie außerklinische Geburtshilfe abläuft und was Hebammen wie Zohra Schardt von der Aufregung um ihren Beruf halten. Außerdem sprach ich mit vielen Frauen, die zu Hause oder im Geburtshaus geboren haben. Manche berichten von Traumata von vorangegangenen Klinikgeburten. Manche aber auch von Wünschen, die eigentlich keine große Sache sein sollten: genug Zeit etwa. Nicht allein gelassen zu werden. Oder nur einen Kaiserschnitt zu bekommen, wenn er wirklich notwendig ist. Hier können Sie die Reportage lesen.

Geburten insgesamt besser zu machen, das hat sich übrigens auch die aktuelle Bundesregierung vor zwei Jahren in den Koalitionsvertrag geschrieben. Mein Eindruck nach dieser Recherche ist: Dafür muss sich noch eine ganze Menge tun.

Schreiben Sie mir gern, wenn Sie mir Ihre Geburtsgeschichte erzählen möchten. Ich bin gespannt.

Ein schönes Wochenende wünscht

Elisa Britzelmeier

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