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Hasstiraden gegen Homosexuelle:... und das ist nicht gut so

Niki Lauda hält nichts von einem schwulen Tanzpaar und lässt seinem Ärger freien Lauf: So etwas wolle er nicht im öffentlichen Fernsehen sehen. Mit diesem Ausraster befindet er sich in unguter Gesellschaft.

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Regenbogenfahne vor dem Roten Rathaus

Quelle: ddp

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Niki Lauda hält nichts von einem schwulen Tanzpaar und lässt seiner Verachtung freien Lauf: So etwas möchte er im öffentlichen Fernsehen nicht sehen. Mit seinem Ausraster befindet er sich in unguter Gesellschaft. Die Lästerer in Bildern - aber zuerst jemand, der sich von solchen Gehässigkeiten nicht beeindrucken lässt.

Klaus Wowereit hat 2001 im Wahlkampf um den Posten des Berliner Rathauschefs offen über seine sexuelle Orientierung gesprochen und den Kritikern mit einem inzwischen legendären Spruch den Wind aus den Segeln genommen: "Ich bin schwul, und das ist auch gut so", sagte Wowereit, der seit 1993 mit demselben Mann liiert ist.

Doch es gibt immer wieder Prominente, die öffentlich gegen Homosexuelle wettern.

Im Bild: Klaus Wowereit bei den lesbisch-schwulen "Respekt Gaymes" vor dem Roten Rathaus in Berlin, 2008

Aufregung um Männerpaar bei ORF-Tanzshow - Lauda fordert Stopp

Quelle: dpa

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Jüngstes Beispiel: Der Ex-Rennfahrer Niki Lauda empörte sich öffentlich darüber, dass ein Männerpaar an der ORF-Tanzschau Dancing Stars teilnimmt und forderte einen Stopp der Sendung: "Ich bin empört, dass sich der öffentlich-rechtliche ORF, der ja von unser aller Gebühren finanziert wird, aus reiner Quotengeilheit dafür hergibt, schwules Tanzen zu propagieren", sagte der 61-Jährige in einem Interview mit der Zeitung Österreich. Offenbar hat Lauda Angst um seine Kinder: "Ich will nicht, dass meine Kinder im ORF sehen, dass ein Mann mit einem Mann tanzt - und dass sie glauben, das nachmachen zu müssen."

Gericht verurteilt Rapper Bushido

Quelle: dpa

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Rapper Bushido weist die immer wiederkehrenden Vorwürfe, schwulenfeindlich zu sein, weit von sich. Seine Texte sprechen einen andere Sprache. Ob die Textzeile "Zeig mit dem Finger auf mich! Wer ist die Schwuchtel? Wer von euch Spasten reißt jetzt noch sein Maul auf? Wo sind die Cowboys? Kommt und ich hau drauf! Ganz egal was du denkst, du bist nur schwul!" oder "Ich lach dich aus, du Gangster auf 'ner Hantelbank. Ich komm zu dir und zünde deinen schwulen Ledermantel an." In einem Interview mit dem Tagesspiegel im August 2007 erklärte Bushido: "Ich bin muslimisch erzogen, Halb-Araber und Rapper, ich finde es nicht normal, schwul zu sein. (...) Ich mag die Sexpraktiken nicht, aber deshalb ist ein Schwuler kein schlechter Mensch." 

Eminem beendet zweite Ehe mit Kim Mathers

Quelle: Giovanni Canitano/dpa

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Auch Bushidos US-amerikanischer Rapper-Kollege Eminem steht immer wieder in der Kritik schwuler und lesbischer Verbände. Mit dem Schimpfwort "faggot" (englisch für "Schwuchtel") geht er nicht sparsam um. Häufiges Opfer seiner Anfeindungen: Musiker-Kollege Moby. Ihn bezeichnet Emimen abwechselnd als "Schwuchtel" und "Mädchen". Mobys verbaler Gegenschlag im Sommer 2002 klang so: "Er ist ein Frauenfeind, ein Schwulenhasser, ein Rassist und ein Antisemit." Das wiederum veranlasste Eminem dazu, seinem Kollegen in einen Song zu erwähnen: In Without Me forderte er Moby in übelstem Slang dazu auf, mit ihm Oralsex zu vollführen." Moby reagierte gelassen. Auf seiner Website antwortete er: "Eminem ist talentiert und interessant, aber ich bin erstaunt über die Wut, die er mir entgegenbringt, obwohl er mich noch nie persönlich getroffen hat."

Im Bild: Rapper Eminem beim MTV Europe Music Award 2004 in Rom

U.S. actor Mickey Rourke listens to questions from reporters and film professionals in Sarajevo

Quelle: Reuters

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Des Schimpfworts "faggot" bediente sich auch Mickey Rourke - um einen Journalisten zu beleidigen. Bei einer Veranstaltung im November 2008 erschien der Schauspieler mit Kollegin Evan Rachel Wood. Ein Journalist wollte wissen, ob die beiden Paar seien. Diese Frage machte den Schauspieler offenbar wütend. Er soll geantwortet haben: "Sie ist eine gute Freundin, das ist alles. Und richte der Schwuchtel, die den ganzen Mist in der Zeitung geschrieben hat, aus, dass ich gerne ihre verdammten Beine brechen würde." Eine Entschuldigung lehnte Rourke ab. Der britischen Zeitung Sun sagte er, er habe das, was er gesagt habe, auch so gemeint.

Mel Gibson bei Autounfall unverletzt - kein Alkohol im Spiel

Quelle: dpa

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Mel Gibson wird immer wieder als Antisemit, Rassist - und Schwulenhasser geschmäht. In einem Interview mit der spanischen Zeitung El País im Jahr 1992 sagte er einige sehr unfreundliche Dinge über die Sexualpraktiken schwuler Männer. Auf die Frage nach der früher von ihm geäußerten Angst, selbst für schwul gehalten zu werden, entgegnete er: "Sehe ich aus wie ein Homosexueller? Spreche ich wie sie? Bewege ich mich wie sie?" Später machte Gibson den vor dem Interview genossenen Wodka für seine Aussagen verantwortlich. Eine Entschuldigung bei Schwulen und Lesben lehnte er aber ab: "Ich entschuldige mich, wenn die Hölle zufriert. Die können mich mal."

Grey's Anatomy

Quelle: Frank Ockenfels/ABC

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Auch bei Serienschauspielern wird gelästert. Vor allem am Set der Erfolgsserie Grey's Anatomy. In einem Streit im Jahr 2007 bezeichnete Isaiah Washington alias Dr. Burke (im Bild dritter von rechts) seinen Kollegen T. R. Knight (vierter von rechts) als "Schwuchtel". Der outete sich nach dem Ärger am Set öffentlich als homosexuell. Washington wurde nach seiner schwulenfeindlichen Äußerung, die den Protest von schwulen und lesbischen Verbänden nach sich zog, gefeuert.

Jahresrückblick Sport - Manipulationsaffäre um Juventus Turin

Quelle: dpa

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Luciano Moggi (im Bild), ehemaliger Manager von Juventus Turin, macht aus seiner Abneigung gegen Homosexuelle keinen Hehl. "Ich würde keinen Schwulen in der Mannschaft dulden", erklärte der 73-Jährige 2008 in einem Interview. Auch für Marcello Lippi, bis 2010 Trainer der italienischen Nationalmannschaft, ist die Sache klar: "Ehrlich gesagt, glaube ich nicht, dass es im Fußball Schwule gibt. In 40 Jahren habe ich keinen kennengelernt. Keiner, mit dem ich in dieser Zeit zusammengearbeitet habe, hat mir je davon erzählt", sagte er dem Corriere della Sera im Januar 2009. Offensichtlich hatte Lippi vergessen, dass der Brasilianer Vampeta dem Kader von Inter Mailand angehörte, den er zur Jahrtausendwende vorübergehend betreute. Der einstige Mannschaftskollege von Ronaldo beim PSV Eindhoven hatte 42 A-Länderspiele bestritten - bis eine Reihe von Nacktaufnahmen für die brasilianische Schwulenzeitschrift G-Magazine seiner Karriere ein Ende bereiteten.

Spielcasino-Neubau in Duisburg

Quelle: picture-alliance/ dpa

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Dass mit Westerwelle ein bekennender Schwuler deutscher Außenminister wurde - das war zu viel für Peter Langner. Der Stadtkämmerer der Stadt Duisburg hatte bei einer Wahlpräsentation im Duisburger Rathaus im September 2009 gesagt: "Ich will keinen schwulen Außenminister." Als die Aussage in die Öffentlichkeit geriet, tat sie dem SPD-Politiker leid - die Kritik aus den politischen Reihen war groß. Langner ruderte zurück. Er habe sie einem "rein privaten Umfeld getätigt", dennoch sei sie unmittelbar nach Bekanntgabe des voraussichtlichen Wahlergebnisses entsprechend spontan und unüberlegt gewesen. "Selbstverständlich habe ich als ein in jeglicher Hinsicht toleranter Mensch keinerlei Vorurteile gegenüber Homosexualität."

Papst fiebert Seligsprechung von Johannes Paul II. entgegen

Quelle: dapd

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Papst Benedikt XVI. sorgte im Dezember 2008 für Unmut bei Homosexuellen-Verbänden: In seiner Festtagsrede zum Jahresende hatte sich das Oberhaupt der katholischen Kirche kategorisch gegen Geschlechtsumwandlung und Homo-Ehe ausgesprochen. Benedikt XVI. hatte sich zuvor mit der Gender-Theorie vor der Kurie auseinandergesetzt, nach der die Zuordnung von weiblichen und männlichen Rollen weitgehend gesellschaftlich bestimmt und nicht von der Natur vorgegeben ist. Nach Ansicht des Papstes stelle die Gender-Theorie die "Natur des menschlichen Wesens als Mann und Frau" in Frage: "Nicht der Mensch entscheidet, nur Gott entscheidet, wer Mann und wer Frau ist."

Aurelio Mancuso, Vorsitzender des italienischen Homosexuellenverbands "Arcigay", äußerte sich beunruhigt über die Diskriminierung: "Die Natur gibt andere Antworten als der Papst", sagte Mancuso gegenüber Spiegel Online. "Wir sind sehr besorgt, denn das vergangene Jahr war für die Homosexuellen in Italien schon schlimm genug". Die Zahl der gewaltsamen Übergriffe auf Schwule und ihre Organisationen sei immens gestiegen. "Die Zeichen stehen auf Konfrontation - die Leute haben wirklich Angst", so Mancuso.

Piusbrüder weihen trotz Kritik neue Priester

Quelle: dpa

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Die ultrakonservative Piusbruderschaft rief im August 2009 ihre Ordensbrüder dazu auf, gegen den geplanten Christopher Street Day (CSD) in Stuttgart zu demonstrieren. Das Fest der Homosexuellen sei eine "perverse Veranstaltung", deren Ursachen in der "Männerkrankheit des Individualismus" lägen, schrieb ein Piusbruder in dem Rundbrief. Die Glaubensbrüder sollten gegen diese "offene Propagierung der sodomitischen Sünden" kämpfen. Der Verfasser des Rundschreibens verglich den Widerstand gegen das CSD-Event mit dem Widerstand der katholischen Kirche in der Zeit des Nationalsozialismus: "Wie stolz sind wir, wenn wir in einem Geschichtsbuch lesen, dass es im Dritten Reich mutige Katholiken gab, die sagten: 'Wir machen diesen Wahnsinn nicht mit!' Ebenso muss es heute wieder mutige Katholiken geben."

Bei einer "Konferenz gegen die Verbreitung von Hass im Internet" bezeichnete die damalige Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) die Veröffentlichung der Piusbruderschaft als "unerträglich" und forderte: "Im Umgang mit solch religiösen Extremisten muss dasselbe gelten wie im Umgang mit Rechtsextremisten."

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Quelle: AP

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Der Ex-Europaminister Rocco Buttiglione - ein strenggläubiger italienischer Katholik - hat im Oktober 2010 in einem Radiointerview seine Sicht auf Homosexualität erklärt: "Auf politischer und sozialer Ebene bin ich gegen jegliche Diskriminierung gegen Homosexuelle. Vom moralischen Standpunkt denke ich aber, es ist falsch, schwul zu sein. Es gibt aber viele Dinge, die moralisch falsch sind und vom Gesetz nicht verfolgt werden, wie Ehebruch und Steuerhinterziehung", sagte der christdemokratische Politiker. Seine Aussage sorgte für heftige Kritik. Bereits 2004 hatte er durch seine Aussage, Homosexualität sei kein Verbrechen, aber Sünde, Ärger provoziert - und wurde als designierter EU-Justizkommissar abgelehnt.

Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi

Quelle: dpa

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Silvio Berlusconi ist bekannt für sein loses Mundwerk und seinen Hang zu hübschen Frauen. Auch seine Abneigung für Homosexualität behielt er nicht für sich: Als er im Mai 2010 einer minderjährigen Diebin, die er von zahlreichen Privatfesten kannte, dazu verhalf, wieder freigelassen zu werden, erklärte er sich laut FAZ mit diesen Worten:  "Was ich getan habe, tat ich aus Gutmütigkeit. Es ist besser, einer schönen Frau ins Gesicht zu blicken, als schwul zu sein."

Menschen bei Maischberger

Quelle: dpa

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Fürstin Gloria von Thurn und Taxis hat eine klare Botschaft an die Homosexuellen dieser Welt: Beten! Die einstige Glamour-Punk-Dame missbrauchte im September 2008 das Sofa von Sandra Maischberger, um in Begleitung des Kölner Kardinals Meisner für deren gemeinsames Buch "Die Fürstin und der Kardinal" zu werben. Nach einem anfänglichen Wortwechsel über Verhütung und Abtreibung äußerte sich Meisner auch zum Thema Homosexualität, die er als "abnorm und wider die Natur" bezeichnete. Seine Erklärung: Gott habe die Menschen nur in zweierlei Grundausstattung geschaffen. Gloria stimmte dem Kardinal völlig zu: "Contra naturam" sei das, und empfahl zur Heilung ausgiebiges Beten. "Der steinige, steile Weg führt in den Himmel. Der breite, bequeme Weg führt in die Hölle", begründete die Fürstin ihre Theorie.

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