Harald Glöckler Botschafter mit trauriger Kindheit

Auf dem Videomitschnitt ist zu sehen, wie der Moderator ihn als Harald Glööckler-san vorstellt. Der verbeugt sich artig, und spricht Deutsch, eine Dolmetscherin übersetzt. Selten hat man ihn so zurückgenommen gesehen, fast starr steht er dort, verkauft Schmuck, als wären es Versicherungspolicen. Natürlich sei vorher besprochen worden, wie er in Japan auftreten soll. Weniger wahwahwah, bloß keine Tätowierungen zeigen. Die gelten in Japan als Ausweis der Unterwelt.

Mode an der Grenze des Tragbaren

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Große Kolliers sind der Renner, vor allem eins mit einem Kreuz, "das auch Bonnie Tyler liebt". Zum Ende der ersten Show wirft er einen Kuss in die Kameras und haucht: "Ich komme wieder!" Vor dem Sender standen Autogrammjäger, Zuseher forderten später, "dass mehr Harald Glöckler" und weniger der Moderator zu sehen sein soll. Der sagt, dass Japaner "Trash" lieben und Barockes. Harald Glöckler als personifiziertes Neuschwanstein.

Vielleicht mögen sie ihn aber auch so, weil er durchaus Ähnlichkeit mit einem hat, der gerade durchs Kino geistert: der schwule österreichische Modereporter Brüno. Zwar gibt es die Kunstfigur schon lange, aber einige Dinge könnte sich Sacha Baron Cohen von ihm abgeschaut haben. Vor zwei Jahren jedenfalls klingelte er bei Glöckler und seinem Freund und Geschäftspartner Dieter Schroth, 61, an der Tür ihrer barocken Wohnwelt in Charlottenburg. Cohen hatte auf ein Treffen gedrungen, und so plauderte man also die halbe Nacht lang. Am nächsten Morgen ließ Cohen einen Präsentkorb aus der Galerie Lafayette schicken. "Was für ein netter Typ!", ruft Glöckler. Herr Schroth sagt, dass Cohen zwar kreuzhetero sei, den Gockellauf aber glänzend draufhabe.

Botschafter mit trauriger Kindheit

Harald Glöckler war erst Modeverkäufer in Mühlacker, 1987 eröffnet er dann mit seinem Partner, den er stets mit "Herr Schroth" anspricht, einen Jeansladen in Stuttgart, 1990 gründen sie das Label Pompöös, vier Jahre später zeigten sie ihre Roben im Neuen Schloss in Stuttgart. Chaka Khan trug ein Rokokokleid mit Schmetterlingen und sang "I'm every woman". So sei das losgegangen mit den "Weltstars", sagt Glöckler. Danach hüllten sich die Weather Girls in den Schwaben-Versace, Gina Lollobrigida empfing ihn, Brigitte Nielsen trägt mit Vorliebe seine Kreationen mit den typischen Schößchen, Rüschen und Corsagen. Heute sind die "Weltstars" eine gute Verkaufshilfe fürs Lizenzgeschäft. Er telefoniere oft mit ihnen, sagt Glöckler. Dass nicht alle etwas mit seinem Kitschdesign anfangen können, stört ihn nicht. "Ich mache viel, darum mache ich vielleicht auch vieles falsch, ich mache aber auch viel richtig."

Harald Glöckler ist Botschafter des Deutschen Kinderhilfswerks, auch, weil seine eigene Kindheit schwer war. "Mein Vater war ein Tyrann, er schlug ständig meine Mutter", sagt er. Schon als Sechsjähriger habe er sich seine eigene Welt aufgebaut, sagt Glöckler. In der habe es nur Prinzessinnen gegeben, und da habe er sich vorgenommen: "Ich möchte, dass alle Frauen schön sind und nie mehr weinen." Als er 14 war, habe sein Vater seine Mutter die Treppe hinuntergestoßen, drei Tage später war sie tot. Mit seinem Vater, der 1992 starb, redete er kein Wort mehr. Diesen Teil der Biographie erwähnt HSE 24 auf seiner Internetseite vorsichtshalber nicht. Es soll um Träume gehen, Realität haben die Kundinnen genug zu Hause.

Harald Glöckler klatscht in die Hände, die nächste Show wartet. Diesmal zeigt er mit Frau Funk Hosenanzüge und Röcke, üppig dekoriert mit Strass. "Das sieht nach zehn Millionen Dollar aus, das ist so wie bei den Damen aus der High Society", schmettert er. Der Hosenanzugszähler dreht durch. Frau Funk strahlt. Die Regie hat ihr neue Zahlen durchgegeben. 2300 Hosenanzüge zu je 59,99 Euro sind weg.