Gleichberechtigung und Feminismus Care-Arbeit und noch mehr #MeToo

Feministinnen machen auf diesen Umstand schon seit Jahren aufmerksam. So haben einige von ihnen 2013 das Netzwerk "Care Revolution" gegründet. Es gibt viel zu diskutieren. Nicht nur die Frage, warum die sozialen Berufe so schlecht bezahlt sind - sondern auch, warum der Großteil der unbezahlten Care-Arbeit - etwa Kindererziehung oder die Pflege kranker Angehöriger - von Frauen übernommen wird. Das führt nämlich dazu, dass Frauen häufiger als Männer Teilzeit oder gar nicht arbeiten - und auf den Gender Pay Gap ein Gender Pension Gap von 57 Prozent folgt, die Frauen also extrem viel weniger Rente bekommen als die Männer. Wobei die Probleme schon bei den Begrifflichkeiten anfangen: denn "nicht arbeiten", das klingt ja so, als würden Frauen auf der faulen Haut liegen. Dabei bekommen sie einfach kein Geld für ihre Leistung.

Und selbst da, wo beide Partner in einer Beziehung einer Erwerbsarbeit nachgehen und gut verdienen, ist nicht unbedingt alles erreicht. Viele berufstätige Paare müssen sich fragen lassen, ob es gerecht ist, dass ihre gleichberechtigte Beziehung nur möglich ist, weil sie die Dienste von schlecht bezahlten Frauen in Anspruch nehmen - von den Erzieherinnen der Kinder, von der ukrainischen Putzfrau, die die Wohnung sauber hält und von der polnischen Pflegerin, die sich um den Opa kümmert. Das Netzwerk "Care Revolution" formuliert es so: "Langfristig streben wir neue Modelle von Sorge-Beziehungen und eine Care-Ökonomie an, die nicht Profitmaximierung, sondern die Bedürfnisse der Menschen ins Zentrum stellt, und die Sorgearbeiten und Care-Ressourcen nicht nach rassistischen, geschlechtlichen oder klassenbezogenen Strukturierungen verteilt."

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Da reicht es nicht, wie Angela Merkel in einer der Wahlkampfsendungen zu einem besonders hartnäckigen Fragesteller zu sagen: "Wenn mehr junge Männer in die Pflege gehen, wie Sie, steigt sicher auch das Gehalt." Aha. Fest steht: Da das Thema viele der drängendsten Probleme Deutschlands betrifft - Rente, Pflegenotstand, demografischer Wandel - kommt eine neue Regierung, die 2018 hoffentlich ihre Arbeit aufnimmt, daran nicht mehr vorbei.

3. #MeToo - noch längst ist nicht alles klar

Auch wenn #MeToo, die Gleichberechtigungsdebatte des Jahres 2017, einiges in Gang gesetzt hat - erledigt ist das Thema sexuelle Belästigung und Demütigung noch lange nicht. Einig war sich die Öffentlichkeit nämlich nur in der Bewertung krasser Übergriffe und eindeutig strafbarer Handlungen - bei Vergewaltigungen zum Beispiel. Hier führte #MeToo in Deutschland die Diskussionen des Jahres 2016 fort, die zu einer Verschärfung des Strafrechts führten. Seitdem ist hierzulande zum Beispiel das "Grapschen" strafbar.

Doch was ist mit den Fällen, die nach wie vor nicht strafbar sind? "All die kleinen Demütigungen, die sich Frauen gefallen lassen sollen, bei der Arbeit oder sonst wo", wie es SZ-Autorin Susan Vahabzadeh schreibt, bewerten diejenigen, die sich mit #MeToo beschäftigen, völlig unterschiedlich.

Ist das ein Kompliment oder Belästigung?

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Darf ich jetzt nicht mehr flirten?, fragten die einen. Blödsinn, es geht bei Sexismus nicht um Sex, sondern um Macht und ihren Missbrauch, entgegneten die anderen.

Was aber hilft? Ein möglichst umfangreicher Regelkatalog im Umgang zwischen Mann und Frau, bis hin zum Sex, wie es Zeit-Autor Lars Weisbrod im Zuge der #MeToo-Debatte forderte? Eine explizite Einwilligung zu sexuellen Handlungen, die - wie jetzt in Schweden geplant - beide Beteiligten geben müssen? Mehr Räume, in denen Frauen nur unter sich sind, wie es erneut Schweden vormacht, wo 2018 ein Musikfestival nur für Frauen stattfindet? Helfen Belästigungsbeauftragte in den Unternehmen? Mehr Frauen in Führungspositionen? Ist es an den Männern, ihr Verhalten zu hinterfragen? Oder an den Frauen, sich nicht alles gefallen zu lassen? Sollen sie gar auf Make-up und sexy Klamotten verzichten? Mit dem Strafrecht, das ist Ende 2017 klar, lassen sich diese Fragen nicht lösen. Auf das #MeToo folgt ein "Und nun" - eine große Aufgabe für 2018.

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