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Gewaltfreie Erziehung:Wer geschlagen wird, wird öfter selbst gewalttätig

Und wenn wir ergänzend die Daten aktueller Befragungen von 14- bis 16-jährigen Schülern aus Niedersachsen heranziehen, fallen die Befunde noch positiver aus. Dieses auf Jugendliche konzentrierte Projekt ermöglicht differenzierte Analysen der Auswirkungen des Wandels in der Erziehungskultur. Besonders klare Befunde ergaben sich aus der Gegenüberstellung zweier Extreme: der völlig gewaltfrei und sehr liebevoll Erzogenen mit jenen, die schwere elterliche Gewalt gekoppelt mit wenig Zuwendung erfahren haben.

Da zeigt sich: Die in der Kindheit viel Geschlagenen sind nach eigenen Angaben im Vergleich zu den viel Geliebten im vergangenen Jahr 4,5-mal so häufig selbst gewalttätig geworden. Sie haben außerdem 6,5-mal so oft ernsthaft über Suizid nachgedacht. Im Gegensatz dazu berichtete die erste, gewaltfrei erzogene Gruppe sechsmal häufiger von einer sehr hohen Lebenszufriedenheit.

Angesichts solcher Befunde überrascht es nicht, dass die Gewaltkriminalität seit 2007 am stärksten bei jenen abgenommen hat, die am meisten von dem dargestellten Wandel in der Erziehungskultur profitieren konnten - bei Kindern und Jugendlichen. Pro 100 000 dieser Altersgruppe hat die Zahl der wegen Gewalttaten polizeilich registrierten Tatverdächtigen um gut 40 Prozent abgenommen. Ähnliche Trends zeigen sich beim Rückgang des Suizids oder des Alkoholkonsums.

Diktaturen freuen sich über Eltern, die ihre Kinder schlagen

Astrid Lindgrens Thesen werden somit durch empirische Befunde eindrucksvoll bestätigt: Eine gewaltfreie und liebevolle Erziehung fördert den aufrechten Gang und die Empathie. Sie vermittelt zudem positive Erfahrungen der Selbstwirksamkeit und schützt vor der Flucht in Suizid oder Drogen.

Hinzu kommt noch eine weitere Dimension, eine politische: Diktaturen freuen sich über Eltern, die ihre Kinder schlagen. Sie brauchen Untertanen, die früh gelernt haben, harte Strafen zu fürchten und nach oben zu buckeln. Demokratien hingegen leben vom Freiheitswunsch der Menschen, von ihrer sozialen Kreativität und von ihrer Bereitschaft, sich für das Gemeinwohl zu engagieren. Deswegen macht eine Nachricht Mut: Nepal war kürzlich der 54. Staat, der die Botschaft Astrid Lindgrens umgesetzt und jegliches Schlagen von Kindern verboten hat. Wann folgen endlich England, Frankreich oder die USA?

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