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Gesundheit:Mund auf!

(Foto: Ryan Trott)

Zähne lieben Sport, tragen gerne Käsemäntel und sind härter als Stahl. Sieben Staunsachen aus der Mundhöhle.

Von Nina Himmer

Schmutzschneezähne

Milchzähne sind die ersten Zähne, die ein Mensch bekommt: zehn oben, zehn unten. Sie heißen so, weil ihre helle Farbe Milch ähnelt und weil sie im Alter von fünf bis sieben Monaten durchbrechen - da trinken Babys noch Milch. Bis ungefähr zum 13. Lebensjahr fallen sie nach und nach aus, daher das coole Lückenlächeln. Es folgen die bleibenden Zähne, deren Farbe oft eher an schmutzigen Schnee oder beige Hosen erinnert.

Zuckerschock

"Zucker schadet den Zähnen!" Eltern werden nicht müde, diesen Satz zu wiederholen. Aber eigentlich sorgt nicht Zucker, sondern Säure für Karies: im Mund leben Bakterien, die gerne Zucker futtern. Kriegen sie welchen, verspeisen und verdauen sie ihn im Eiltempo. Dabei entsteht Säure, die den Zahnschmelz angreift und Löcher verursachen kann. Weil Nichtnaschen aber auch nicht geht (zu lecker!), hilft dieser Trick: lieber einmal am Tag kräftig sattnaschen statt kleine Portionen über den Tag verteilt essen. Einen Säureangriff können die Zähne wegstecken, Dauerbeschuss aber nicht.

Wackelkandidaten

Michel aus Lönneberga hat es mal so probiert: Faden um den Zahn, Faden an die Türklinke, Tür zuschmeißen. Aua! Besser: geduldig warten. Der Körper löst die Zahnwurzeln von Milchzähnen auf, damit sie leichter rausfallen. Schneller geht es, wenn man sie viel hin und her wackelt. Eigentlich schmerzt das Wachsen von Zähnen aber sowieso mehr als das Ausfallen. Bei durchbrechenden Zähnen helfen Druck (zum Beispiel fest auf einen Karottenschnitz beißen), Kälte (Eiswürfel in die Schorle) oder eine sanfte Massage mit dem Finger.

Mundsport

Klingt komisch, aber: Zähne brauchen Gymnastik. Sie hängen nämlich an straffen Fäden aus Bindegewebe, die trainiert werden wollen. Zum Beispiel, indem man Äpfel, hartes Brot oder eine rohe Karotte kaut. Das ist wichtig, denn der Körper merkt, wenn wir vor allem weiche und breiige Nahrung essen. Dann leiden die Kaumuskeln und die Zahnfitness.

Spätzünder

Dummerweise kann man auch mit Weisheitszähnen nicht alle Matheaufgaben lösen oder nur noch schlaue Dinge sagen. Der Name hat nämlich weniger mit Weisheit als mit dem Alter zu tun, in dem man diese Zähne ganz hinten im Mund bekommt: manchmal erst mit 30 oder 40 Jahren. Früher konnte man Weisheitszähne gut brauchen, weil die bleibende Zähne in diesem Alter oft schon kaputt waren. Heute aber sind sie dank veränderter Nahrung so überflüssig, dass sie meist gezogen werden oder gar nicht mehr angelegt sind.

Knallhart

Die äußerste Schicht der Zähne heißt Zahnschmelz - und ist härter als Stahl, Eisen oder Knochen. Das muss sie auch, denn Zähne müssen viel aushalten: rund 20 Tonnen Nahrung zerkleinern unsere Zähne im Laufe von 50 Lebensjahren. Dabei stecken sie Belastungen von bis zu 80 Kilogramm weg. Härter als Zahnschmelz ist übrigens Diamant. Deshalb bestehen Bohrer oft aus diesem Material.

Käsefreunde

Zähne sind kein totes Material, sondern lebendig - und sie haben immer Hunger. Sie lieben Nahrung, in der ein Mineralstoff namens Kalzium steckt. Besonders viel davon enthält Käse. Er bildet dank Fetten und Proteinen zudem eine Art Schutzfilm auf den Zähnen, wie einen Käsemantel. Der schützt vor Karies und liefert Baustoffe für die Zahnsubstanz. Schade: trotzdem ersetzen Käsebrote kein Zähneputzen.

© SZ vom 23.01.2021
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