Die Sechzigerjahre waren, modisch gesehen, das Jahrzehnt des Minirocks (Mary Quant, Twiggy). Die Achtziger wurden von Schulterpolstern („Miami Vice“) und toupierten Löwenmähnen (Bonnie Tyler) beherrscht. Die Zwanzigerjahre des neuen Jahrhunderts gehören eindeutig der Gesichtsmaske. Nein, nicht der medizinischen Corona-Maske, sondern der Sturmhaube, der Skimaske, der schwarzen Gesichtsverhüllung. Alle, die besonders wichtig, furchterregend oder bedeutend aussehen wollen, tragen solche Masken: Trumps Einwanderungspolizei ICE genauso wie ukrainische Soldaten, bayerische USKler, mexikanische Wrestler sowie Spezialsondereinsatzhyperkommandos aller Art. Und natürlich Bösewichte jeder Fasson: Automatensprenger, Schließfachmarder, rechtsradikale Schläger und linksradikale Kabeldurchschneider. Die Sturmhaube ist schwer in Mode. Sie soll nicht nur die Gesichtszüge verbergen, sondern durch die Anonymisierung auch einen im Wortsinne namenlosen Schrecken verbreiten.
Deutscher AlltagDie Vermummung der Welt
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Seltsame Männer mit Gesichtsmasken treiben nicht nur in Superheldenfilmen ihr Unwesen. Im Jahr 2026 verbreiten sie namenlosen Schrecken – in der Realität.
Kolumne von Kurt Kister
