Gesellschaft - Stade:Modefotograf Reh kämpft gegen Missbrauch von Jungen

Deutschland
Der Modefotograf Michael Reh sitzt in einem Café in Hamburg. Foto: Georg Wendt/dpa/Archivbild (Foto: dpa)

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Hamburg/Stade (dpa) - Der Modefotograf Michael Reh wirkte als Juror bei Germanys Next Top Model mit, lebt in Miami und hat die Stars der Szene über Jahre begleitet. Sein Lebensthema ist kein Glamouröses: Er macht den Missbrauch als kleiner Junge öffentlich und wirbt für mehr Offenheit. "Ich komme aus so einem Sumpf. Sechs Männer wurden in unserer Familie missbraucht, auch von Priestern", erzählt der gebürtige Dortmunder Modefotograf der Deutschen Presse-Agentur. Missbrauch passiere vielen Männern, darüber gesprochen werde wenig. "Es ist mein Lebensthema, ich kann aber trotzdem positiv denken", sagt der 59-Jährige.

Er lebt seit Jahrzehnten in den USA, sein Rückzugsort ist ein alter Apfelhof im Alten Land hinter Stade. Dort schrieb er nach seinem ersten Buch "Katharsis", in dem er seine furchtbaren Erlebnisse als Drama einer Familie in Romanform aufarbeitet, in der Corona-Zeit den Krimi "Asta". Literatur hat er in Hamburg studiert.

"Bei Frauen ist das ein Tabu-Thema, bei Männern noch viel mehr", bestätigt Karin Steinherr, Vorsitzende des Vereins gegen Missbrauch bei Ingolstadt in Bayern. "Der Mann ist das starke Geschlecht, bis die was sagen, dauert es lange." Die Dunkelziffer bei männlichen Opfern ist ihrer Einschätzung nach höher als bei weiblichen: "Männer haben eine hohe Hemmschwelle." Als Beispiel nennt sie die Übergriffe bei den Regensburger Domspatzen: "Wenige haben sich getraut etwas zu sagen."

Auch später, wenn Hilfe gesucht wird, sei es nicht leicht: "Für die Traumaverarbeitung ist es teilweise frustrierend, weil es viele Selbsthilfegruppen gibt, die nur aus Frauen bestehen", sagt Steinherr. Die vierfache Mutter ist selbst Opfer von Missbrauch geworden und gibt ihre Erfahrung nun weiter, auch an Schulen. "Ich habe immer wieder mit Schülern zu tun, denen etwas passiert ist, die belästigt worden sind." Ihr wichtigster Tipp: "Rede offen über das Thema, Reden ist die beste Therapie".

© dpa-infocom, dpa:211014-99-589550/3

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