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Gesellschaft - Mainz:Historikerin stellt Studie über lesbische Mütter vor

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Zwei lesbische Frauen fassen sich an den Händen (gestellte Szene). Foto: picture alliance / dpa/Symbolbild (Foto: dpa)

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Mainz (dpa/lrs) - Das Schicksal lesbischer Mütter in Westdeutschland in der Nachkriegszeit ist Thema eines Forschungsberichts, der heute in Mainz vorgestellt wird. Mit Hilfe von Zeitzeuginnen untersuchte die Historikerin Kirsten Plötz die Formen der Repression, denen Mütter ausgesetzt waren, die eine Frau liebten und sich schließlich scheiden ließen. "Von den 1950er Jahren bis weit in die 90er Jahre hinein war es übliche Praxis, Müttern die Kinder zu entziehen, wenn sie lesbische Beziehungen hatten", sagte Plötz.

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Das Forschungsprojekt des Instituts für Zeitgeschichte München-Berlin mit der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld folgt einer ersten Studie, die 2017 unter dem Titel "Verfolgung und Diskriminierung von Homosexualität in Rheinland-Pfalz" vorgelegt wurde. Gefördert wurde die Arbeit von der rheinland-pfälzischen Landesregierung. An der Vorstellung der Ergebnisse nimmt Familien- und Frauenministerin Anne Spiegel (Grüne) teil.

Über das Leben lesbischer Frauen in der Nachkriegszeit lag lange ein Mantel des Schweigens. Die Diskriminierung von lesbischen Frauen "in dieser bleiernen Zeit" nach dem Zweiten Weltkrieg zu erforschen, sei nicht einfach, sagte zu Beginn der Studie Jörg Litwinschuh-Barthel von der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld. Für die Forschungsarbeit erklärten sich 12 von unterschiedlichen Formen der Repression betroffene Frauen bereit, in Interviews über ihre Erfahrungen zu berichten. Das durch Sorgerechtsentzug verursachte Leid sei kaum zu fassen, sagte Plötz. "Wir wollten erfahren, was das mit den Frauen angerichtet hat."