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Gesellschaft:Erinnerungen an die Corona-Zeit werden gesammelt

Corona
Blick auf die Altstadt aus einem Fester des Historischen Museum. Foto: picture alliance/dpa/Archivbild (Foto: dpa)

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Frankfurt/Gießen (dpa/lhe) - Mehr als 200 Frankfurter Bürger sind bereits dem Aufruf des Historischen Museums nachgekommen und haben Eindrücke von ihrem Leben mit der Corona-Pandemie eingereicht. "Wegen der Kontaktbeschränkungen konnten sie uns zunächst nicht persönlich die Dinge übergeben, sondern haben Fotos eingeschickt", sagte Kuratorin Dorothee Linnemann. Zu den Objekten gehörten Zeichnungen, Tagebucheinträge, selbst gemachte Masken oder ein als Coronavirus gestaltetes Osterei.

Hinzu kommen laut dem Museum Fotos aus dem öffentlichen Raum. Von Geschäften und Gaststätten, Aushängen und Plakate - und auch von einem Flyer an einem Laternenpfahl, auf dem "Liebe bedeutet Abstand" steht.

Das Museum hatte vor knapp zwei Monaten um die Zusendung von Bildern, Texten, Audiostücken, Videos, Fotos, Objekten und Geschichten gebeten. "Wie werden wir uns in Frankfurt an die Corona-Pandemie erinnern? Was ist uns in Frankfurt wichtig gewesen in dieser Situation?", hieß es damals in einem Aufruf.

"Uns ist es erst einmal wichtig, diese entscheidende Zeit der Frankfurter Gegenwart auch in unserer Sammlung abzubilden", sagte Linnemann. Wann und in welcher Form die Eindrücke der Öffentlichkeit präsentiert werden könnten, sei noch unklar. Idealerweise sollten dann auch die Bürger, die die Erinnerungen eingereicht haben, mit eingebunden werden.

Auch in Mittelhessen werden Erinnerungen an das Leben in der Coronavirus-Pandemie gesammelt. Hunderte Dokumente, Fotos oder Videos für ein Online-Archiv sind bereits eingegangen. Bislang habe man mehr als 1900 Einträge, "deren Zahl aber beinahe täglich wächst", berichtete Benjamin Roers, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni Gießen und einer der Initiatoren des Projektes. "Unsere Archivalien sind in Form und Inhalt sehr verschieden. An Formaten ist so ziemlich alles dabei, was digital möglich ist: Bilder, Cartoons, Videos, Songs, Texte aller Art et cetera."

Das "Coronarchiv" getaufte Projekt ist eine gemeinsame Initiative der Unis von Hamburg, Bochum und Gießen und ging Ende März online. Damit sollen Erinnerungen an die Corona-Zeit für später bewahrt werden. Wer will, kann auf dem offenen Archivportal seine Eindrücke in Form von Fotos oder Videos teilen. Es gibt auch die Möglichkeit, Materialien für einzelne Regionen und Städte - Hanau und Darmstadt zum Beispiel - hochzuladen.

Der Fokus der eingereichten Materialien hat sich nach Erfahrung von Roers und seinen Kollegen im Lauf der Zeit geändert: "Die anfangs oft hochgeladenen Bilder von leeren Regalen und Toilettenpapier sind mittlerweile viel weniger geworden". Nach Einführung der Maskenpflicht seien dann entsprechend viele Dateien zu diesem Aspekt eingegangen.

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