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Geschmackssache: Rindfleisch:Kochs Meisterstück

Roland Koch hat seiner ehemaligen Politikerkollegin Andrea Nahles ein Stück Rindfleisch serviert. Über die Symbolhaftigkeit von Steaks, Braten und Roastbeef.

Marten Rolff

Wer Fleisch auf den Speiseplan setzt, kommt an seiner Symbolkraft nicht vorbei. Ob nun Klimasünde, Männlichkeitsattribut oder Zeichen des Überflusses - es gehört zum Schicksal eines jeden Steaks, dass die Frage, wofür es steht, meist wichtiger genommen wird als die, wie man es richtig zubereitet. Beobachten ließ sich das gerade beim ehemaligen hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch, der - immer auf der Suche nach neuen Aufgaben - sich dieser Tage öffentlichkeitswirksam als Hospitant in der Küche des Wiesbadener Grandhotels "Schwarzer Bock" herumdrückte. Dort soll Hobby-Koch sich nicht nur an Rehbraten versucht, sondern seiner neuen Politikerfreundin Andrea Nahles auch ein Stück Rindfleisch serviert haben. Was lässt sich da bloß wieder alles hineininterpretieren!

Beim Grillen kommt es auf den Geschmack an, egal ob Einweg oder Luxus-Elektrogrill.

Wer Fleisch auf den Speiseplan setzt, kommt an seiner Symbolkraft nicht vorbei - das gilt auch für das Rindersteak vom Grill.

(Foto: dpa)

Nur arglose Gemüter werden es einfach als Geste kochscher Altersmilde werten, dass der konservative Flügel der CDU jetzt für die SPD-Linke am Herd steht. Misstrauischere Menschen hingegen dürften eher auf einen versteckten Beitrag zur Integrationsdebatte tippen, schließlich wird Koch bewusst Argentinisches Rumpsteak gewählt haben, wo er früher stets zur Lende vom zertifizierten Mumpelkircher Weideochsen gegriffen hätte. Am wahrscheinlichsten ist jedoch, dass der Baulöwen-Eleve in spe seinem künftigen Arbeitgeber Bilfinger Berger beweisen wollte: Aufgepasst! Hier kommt keine Wiesbadener Verwaltungs-Sisi, sondern Chef-Koch! Einer, der weiß, wie man ein rohes Projekt am Rost durchzieht und für Konkurrenten den Grill anschmeisst.

Wer gern Fleisch zubereitet, sollte sich von der Pose indes verabschieden. Viel wichtiger sind Geduld und Feingefühl, damit hat man sogar in der Königsdisziplin Rinderfilet Erfolg. Allgemein ist es ratsam, seltener, dafür aber qualitativ gutes (also teureres) Fleisch zu kaufen. Ein 200-Gramm-Stück, das innen saftig bleibt, sollte eher hoch statt breit sein. Das Steak muss Raumtemperatur haben (zeitig aus dem Kühlschrank nehmen!) und wird erst kurz vor dem Braten gesalzen. Bei einer Minute von jeder Seite in stark erhitztem Butterschmalz wird es schön braun. Eine Eisenpfanne verbessert das Ergebnis. Dann (nach Geschmack) für 25 bis 40 Minuten bei 100 Grad auf einem Blech im Ofen garen, regelmäßig wenden, ruhen lassen und vor dem Servieren erneut 30 Sekunden von jeder Seite braten.

Roland Koch ist übrigens selbst in der Küche viel zu sehr Profi, als dass er bei seinem Steak nicht alles richtig gemacht hätte. Andrea Nahles jedenfalls soll es geschmeckt haben. Nicht überliefert ist die Art der Zubereitung. In Union und SPD wird gemunkelt, beide liebten es blutig. Das ist natürlich Kaffeesatzleserei. Vermutlich wollten die beiden einfach nur zusammen essen.

© SZ vom 05.11.2010/holl
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