Die Einnahme der Stadt al-Faschir in Darfur durch die sogenannten Rapid Support Forces (RSF) hat einen Moment erhöhter Aufmerksamkeit für einen Krieg geschaffen, der seit April 2023 wütet. Bislang und in absoluten Zahlen hat er die größte humanitäre Katastrophe des 21. Jahrhunderts ausgelöst: mehr als zwölf Millionen Menschen, die seit Kriegsbeginn im Land vertrieben oder ins Ausland geflohen sind, eine im Wortsinne ungezählte Zahl von Toten, mit Schätzungen zwischen 40 000 und 200 000; 21 Millionen Menschen, die von Hunger bedroht sind. Das aber ist kein Krieg, der in Europa viele interessiert hätte, zumal die allermeisten Flüchtlinge in den Nachbarländern aufgenommen wurden – in Tschad, im Südsudan, in Äthiopien oder Ägypten.
SudanDer ignorierte Krieg
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Die Welt blickt nach Nahost oder in die Ukraine. Die Katastrophe im Sudan hingegen wird in Europa wenig wahrgenommen. Über Geschichte und Ursachen eines der brutalsten Konflikte der Gegenwart.
Von Volker Perthes

Sudan:Die letzte volle Mahlzeit? Vor sieben Monaten
Kinder, die Heuschrecken fangen. Mütter, die Blätter kochen. Im Sudan hat der Krieg zweier Generäle eine Hungersnot ausgelöst, wie sie die Welt lange nicht mehr erlebt hat. Eine Reise in die Nubaberge, wo Menschen im Verborgenen leben - und sterben.
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