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Geplanter Kaiserschnitt:Geboren am 11.11.11

Etliche Paare bereiten sich derzeit auf eine Geburt per Kaiserschnitt vor - einige von ihnen nicht aus medizinischen Gründen. Sondern weil sie es reizvoll finden, wenn ihr Kind am 11.11.11 geboren wird. Vielen Ärzten kommt das sehr entgegen.

Zum richtigen Zeitpunkt kommen Kinder selten zur Welt. Manche Frauen finden dennoch eine Lücke im Terminkalender. Victoria Beckham beispielsweise wollte, dass ihr Mann David bei der Geburt dabei ist, der errechnete Termin lag aber bedrohlich nahe an einem Spiel des Star-Kickers.

Harper Seven Beckham

Die Geburt per Kaiserschnitt ist bei Promis eher die Regel als die Ausnahme - und so praktisch: Die Beckhams haben den Entbindungstermin ihrer Tochter auf den Hochzeitstag gelegt.

(Foto: AP)

Daraufhin kam Sohn Romeo 2002 per Wunschkaiserschnitt so zur Welt, dass Papa nur das Training ausfallen lassen musste. Für Tochter Harper Seven war der 4. Juli als Geburtstag geplant, passenderweise zum Hochzeitstag der Beckhams.

Derzeit bereiten sich etliche Paare auf eine geplante Schnittentbindung vor. Meistens ist es medizinisch notwendig, einige finden es aber auch rein aus Termingründen reizvoll, wenn ihr Kind am 11.11.11 zur Welt kommt. "Wir haben jedes Jahr mehr als 20 Anfragen zum 11. November, können aber nur die üblichen vier bis fünf am Vormittag einplanen", sagt Wolfgang Eiermann, Chefarzt der Rotkreuz-Frauenklinik in München. "Das passt zum Zeitgeist, man will alles planen, und für Ärzte ist es ein richtiger Markt geworden." Der Kaiserschnitt bei Privatpatientinnen bringt 2000 Euro ein, die natürliche Geburt etwa 800 Euro.

"Bei uns sind stark vermehrte Anfragen zu diesem Termin da, aber wir unterstützen das nicht", sagt auch Richard Steinacker, Geschäftsführer der Frauenklinik Dr. Geisenhofer am Englischen Garten, in der etwa 40 Belegärzte Frauen bei der Entbindung betreuen. Genaue Zahlen will er nicht nennen. Befürchtet oder erhofft er Nachahmerinnen? Es ist offenbar eine bestimmte Klientel, die besondere Terminwünsche hat. "Der Mann wird von der Geschäftsreise aus Singapur eingeflogen, am besten soll das Ganze um acht Uhr sofort losgehen", sagt Eiermann. "Letztes Jahr wollte eine Frau um 11:11 Uhr entbinden. So ein Quatsch, das lässt sich nie so genau planen."

An Unikliniken ist der Trend nicht zu beobachten. "Ich dachte, dass mehr Anfragen kommen, aber für den 11.11. ist das an beiden Standorten nicht der Fall", sagt Klaus Friese, Chefarzt der Unifrauenklinik München und zuständig für die Geburtshilfe Großhadern und in der Maistraße. "Wir entbinden mehrere Frauen geplant am 10.11. und Anfang kommender Woche. Keine wollte, dass ihr Kind am 11.11. zur Welt kommt."

Doppelt so viele Kaiserschnitte

In Deutschland werden etwa 30 Prozent aller Kinder per Kaiserschnitt geboren. 1990 wurden nur etwa 14 Prozent der Kinder per Sectio caesarea entbunden. Dafür, dass sich die Quote verdoppelt hat, gibt es viele Gründe. "Heute erfüllen wir Frauen den Kinderwunsch, von denen wir früher nie gedacht hätten, dass sie schwanger werden", sagt Friese. "Zudem ist das Risiko mittlerweile ähnlich gering wie bei der natürlichen Geburt."

Zudem haben manche Frauen Angst vor Schmerzen, andere fürchten, dass nach einer natürlichen Geburt der Sex nicht mehr ist wie früher und lassen sich von Slogans wie "Save your love channel" beeinflussen. "Das ist Blödsinn", sagt Friese. "Nach mehreren Schwangerschaften drohen höchstens Beschwerden mit dem Beckenboden, unabhängig von der Entbindung."

Aus ärztlicher Sicht ist ein Kaiserschnitt einfacher und praktischer zu planen als die natürliche Geburt", sagt Franz Kainer, Leiter der Geburtshilfe in der Unifrauenklinik in der Maistraße. "Wenn man Frauen aber die Angst vor der Geburt und den Schmerzen nehmen kann, entscheidet sich bei uns mehr als die Hälfte um und entbindet doch auf natürlichem Wege."

© SZ vom 10.11.2011/vs

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