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Genetik:Das Lächeln hat sie von Mama

Kinder gucken sich Gesichtsausdrücke von ihren Eltern ab. Doch offenbar wird unsere Mimik auch über die Gene vererbt.

Fabian Seyfried

Grimassen schneiden ist für junge Eltern und ihren Nachwuchs eine beliebte Beschäftigung. Bereitwillig strecken die Kleinen ihre Zunge raus und runzeln die Stirn, wenn es ihnen jemand vormacht.

Gelernt? Geerbt? Beides!

(Foto: Foto: irisblende)

Lange Zeit ging man davon aus, dass Babys auf diese Weise typische Gesichtsausdrücke von Eltern und Geschwistern übernehmen.

Wissenschaftler der Universität in Haifa konnten nun jedoch auch von Geburt an blinde Personen eindeutig ihren Eltern zuordnen und das allein anhand der Mimik.

Für die Studie wurden 21 Blinde und 30 Angehörige interviewt. Eine Stunde lang stellten die Forscher ihnen emotionale Fragen oder erzählten aufregende Geschichten. Währenddessen zeichnete eine Kamera jede Veränderung der Gesichter auf.

Ein Computerprogramm wertete anschließend die Daten statistisch aus und verglich die Muskelbewegungen der Teilnehmer miteinander. Vier von fünf Blinden konnten durch dieses Verfahren eindeutig zugeordnet werden, berichten die Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences.

Am stärksten ausgeprägt waren die Übereinstimmungen bei Gefühlen der Trauer und Wut. Freude und Überraschung zeigten hingegen keinen direkten familiären Bezug.

Die israelischen Forscher gehen nach ihren Untersuchungen davon aus, dass die Mimik zumindest teilweise vererbt wird. Gene könnten zum Beispiel eine Rolle bei der Verteilung und Form der Gesichtsmuskeln spielen.

In weiteren Studien will das Team um den Biologen Gili Peleg die evolutionären Gründe für die Vererbung näher beleuchten und nach Therapien für eine gestörte Gesichtsmimik, z. B. bei autistischen Patienten, suchen.

© Quelle: www.medical-tribune.de
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