Genderismus in Flensburg Von ComputerInnen und PapierkörbInnen

Die Frage nach dem oder der PapierkörbIn löst eine bundesweite Debatte aus.

(Foto: dpa)

Wie eine linke Flensburger Ratsdame einen Witz gemacht hat, auf den selbst die Bundes-CDU hereinfiel.

Von Martin Zips

Mit der Ironie, das ist so eine Sache. Die versteht nicht jeder. Gabi Ritter, Fraktionsvorsitzende der Linken in der Flensburger Ratsversammlung, hat gerade einen Antrag im Gleichstellungsausschuss eingereicht: Ab sofort, forderte sie, sollten "Arbeitsgeräte aus allen Arbeitsbereichen der Stadt Flensburg genderneutral bezeichnet" werden: Der/die ComputerIn, der/die StaubsaugerIn, der/die ScannerIn, der/die PapierkörbIn, BriefköpfIn, AbfalleimerIn.

Ein Spaß, natürlich.

Doch Frank Bergmann, Chef der digitalen Strategie in der CDU-Bundesgeschäftsstelle, verbreitete das Papier per Twitter mit dem Zusatz "#keinWitz". Auch die Bild-Zeitung ließ sich von "CDU-Ratsmann Arne Rüstemeier" den Eingang des Papiers "als offiziellen Antrag" bestätigen. Und auf der Website der strammkonservativen Jungen Freiheit kommentierte ein Eckart: "In die IrrenhäusIn mit den geisteskrankInnen GruenInnen und LinkInnen". Wahrscheinlich, so die meist männliche Meinung hier, hätten sich die dummen Kommunisten mit Drogen vollgedröhnt.

Gender-Marketing

Damit spielen doch nur Mädchen

Tatsächlich liest sich Gabi Ritters Antrag plausibel bürokratisch. "Den hat uns ein Mann in nur zwölf Minuten formuliert", lacht Ritter. "Wir fanden ihn so lustig, und ich habe gesagt: Das reiche ich jetzt aber sofort ein." Könnte ja durchaus sein, dass jemand so etwas Abstruses fordert.

Abstruse Forderungen gibt es immer wieder

In Deutschland existieren gut 200 Genderprofessuren an Universitäten und Fachhochschulen. Und erst vor ein paar Jahren haben ForscherInnen gefordert, Fotos von brünftigen Hirschen aus einer Werbebroschüre des Nationalparks Eifel entfernen zu lassen, da diese stereotype Geschlechterrollen fördern. Was spricht da schon gegen die Löschung des maskulinen Artikels in Flensburgs Ämtern?

Wer allerdings genauer auf den Antrag der linken Fraktionsvorsitzenden schaut, der entdeckt dort den Zusatz "1. Ergänzung" unter dem Aktenzeichen RV-109/2016. Und Antrag RV-109/2016 war nur wenige Stunden zuvor eingegangen.

Weiterer Gender-Antrag war ernst gemeint

Dort forderte Ratsfrau Erika Vollmer von der Wählergemeinschaft "Wir in Flensburg" eine "gleichstellende Bezeichnung für weibliche Ratsmitglieder". In Flensburg nennen sich die männlichen Volksvertreter nämlich "Ratsherren" und die weiblichen "Ratsfrauen". Vollmer findet Letzteres aber im Vergleich abwertend und schlägt deshalb "Ratsdamen" vor. Dieser Antrag ist ernst gemeint.

Mit ihrer Ergänzung setzte die Linke in der Sache aus Jux einfach noch einen drauf und erklärte zugleich, sie werde weder für den einen noch den anderen Antrag stimmen.

Schon interessant, dass der verjuxte Gender-Antrag von Frau Ritter am Ende ernster genommen wurde als der ernste Damen-Antrag von Frau Vollmer. Darüber sollten sich beide PolitikerInnen vielleicht mal Gedanken machen. Auch alle GenderInnen sollten sich überlegen, warum die CDU ihnen selbst noch die absurdeste Forderung zutraut.

PapierkörbIn? BriefköpfIn? Hallo, geht's noch?

Und die Junge Freiheit und ihre LeserInnen sollten auch nicht immer gleich wie brünftige Nationalpark-HirschInnen schreien, bloß weil sie den Unterschied zwischen FeministIn und KommunistIn irgendwie nicht verstanden haben.

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