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Liebe Leserin, lieber Leser,
vergangene Woche habe ich mir meine Töchter, 17 und 19 Jahre alt, noch mal aus einem anderen Blickwinkel angeschaut. Auslöser war diese Typologie meines Kollegen Max Fluder, der die Frauen der Gen Z liebevoll für die Boomer und Zugehörigen diverser anderer Generationen seziert (SZ Plus). Es ist wirklich unterhaltsam, über das „Clean Girl“ oder die „Australien-Lisa“ zu lesen, auch weil man aus dem Bekanntenkreis genau diese jungen Frauen kennt - die eine immer in Beige gekleidet und superhealthy, die andere gefühlt ständig auf Reisen.
Als ich versuchte, meine eigenen Töchter einem dieser Typen zuzuordnen, tat ich mich allerdings schwer. Woran das liegt? Am auffälligsten am Leben meiner Töchter scheint mir - aus der Perspektive einer Frau Ende 40 - eine Form von Freizügigkeit zu sein, wie ich sie aus meiner Jugend nicht kenne. Ich meine diese Freizügigkeit nicht nur rein körperlich, sondern auch auf das Aussprechen von Gedanken und das Teilen von Gefühlen bezogen - als gäbe es keinerlei Beschränkungen. Ich möchte die Reihe darum um den Typ des „Feel Free Girls“ ergänzen. Es ist herrlich, wenn sie loslegen und von misslungenen Dates, eskalierten Partys oder den ersten Liebesgefühlen erzählen. Nie im Leben hätte ich in diesem Alter so offen mit meiner Mutter gesprochen. Manchmal denke ich dann: Was hatte meine Mutter eine entspannte Zeit! Denn das Leben mit „Feel Free Girls“ ist auch anstrengend. Ich staune, lache, tröste, leide, sorge mich - die ganze Palette.
Und doch will ich es genauso haben und bin meinen erwachsen werdenden Töchtern dankbar, dass sie mich so intensiv teilhaben lassen. Das Beste: Ich lerne von ihnen, selbst freier zu sein. Gedanken vor dem Aussprechen nicht zu prüfen, ob sie klug oder originell sind, und Tabuzonen grundsätzlich zu hinterfragen. Auch in Sachen Body-Positivity sind sie mir voraus: Während ich mir reflexartig ein Handtuch umwerfe, wenn ich vom Bad zum Kleiderschrank laufe, stehen sie in Unterwäsche in der Küche und machen sich einen Kaffee. Mütter machen sich ja oft über die Körper ihrer Kinder Gedanken, wie diese Protokolle zeigen (SZ Plus). Ich möchte allerdings auch nicht wissen, welche Gedanken sich Kinder über die Körper ihrer Eltern machen. Die Gefahr es ungewollt zu erfahren, ist bei „Feel Free Girls“ sehr groß - weshalb ich wohl vorerst beim Handtuch-Einwickeln bleibe.
Egal, welche Typen ihre Kinder sind, haben Sie ein schönes Wochenende!
Carolin Fries

