Geliebter, verhasster Afrolook Haarige Entscheidung

Spirituelle Nachricht an die Haare

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Stars mit Glatze

Das aktuelle Heft von Black Hair etwa zeigt, wie man die Locken, deren Wachstum Bob Marley Jahre kosteten, im Laufe eines Nachmittags appliziert, oder sich mit glatten Haarverlängerungen endlich eine "göttliche" Janet-Jackson-Mähne verschafft.

Tatsächlich galten Frisuren bereits in Afrika als Träger spiritueller Qualitäten: Mitteilungen der Götter und Geister, heißt es etwa bei den Yoruba, würden durch das Haar in die Seele gelangen. Die in die Neue Welt verschleppten Afrikaner wurden als Sklaven vieler ihrer Traditionen beraubt: Haare aber blieben für ihre Identität von zentraler Bedeutung.

Das weiße Amerika hielt schwarzes Haar lange für unattraktiv und minderwertig. Oft wurde es gar abwertend als "Wolle" bezeichnet. In der Folge imitierten schwarze Sklaven weiße Frisurstile: Männer glätteten ihr Haar zur Not mit Schmierfett für Wagenräder. Frauen rieben sich Butter oder Gänseschmalz ins Haar, um es anschließend mit einem über dem Feuer erhitzten Messer zu entkrausen. Hauptsache glatte Haare.

Nach der Abschaffung der Sklaverei wurden "gutes" Haar und helle Hautfarbe zur Voraussetzung der Mitgliedschaft in der schwarzen Elite. Viele Geschäftemacher nutzten diesen Umstand aus und verkauften gesundheitsschädliche und manchmal gar tödliche Chemiecocktails für Haar und Haut.

Wundermittel für Haarwachstum

Auf der anderen Seite machte der Haarpflege-Boom viele Afroamerikaner zu erfolgreichen Unternehmern. Besonders zwei schwarze Frauen schrieben dabei Geschichte: Annie Turnbo Malone und Madam C. J. Walker schufen eine schwarze Haarpflege-Industrie, die - trotz der Propagierung weißer Schönheitsideale - dennoch wesentlich zur Stärkung schwarzen Selbstbewusstseins beitrug.

Malone hatte um 1900 begonnen, ein angebliches Wundermittel für Haarwachstum von Haustür zu Haustür zu verkaufen. Sie war damit so erfolgreich, dass sie bald ein Multimillionen-Unternehmen führte. Bezeichnenderweise taufte sie ihre Firma Poro - in der westafrikanischen Mendesprache steht das für: Gebetsgemeinschaft.

Tatsächlich nutzte Malone ihr Vermögen zur Förderung schwarzer Schulen, Kirchen und zur Eröffnung eines firmeneigenen Colleges zur Ausbildung von Friseuren. Bis heute gelten die Friseurläden - neben den schwarzen Kirchen - als Herzstück jeder afroamerikanischen Community.

Haarglätten als Ausdruck von Selbsthass

Obwohl viele schwarze Führer die Obsession ihrer Landsleute mit der Körperpflege als Weg zu größerer gesellschaftlicher Akzeptanz guthießen, verurteilten sie gleichzeitig die Praxis des Haarglättens als Ausdruck von Selbsthass: Booker T. Washington ging so weit, schwarze Kosmetiker und Vertreter von Haarpflegeprodukten von der Mitgliedschaft in der Negro Business League auszuschließen. Und Marcus Garvey forderte in einer Rede: "Entfernt nicht die Locken aus eurem Haar. Entfernt sie aus eurem Gehirn!"

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