Ladies & Gentlemen:Endlich attraktiver Fußball!

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(Foto: Alexander Kluge/SWR)

Es gibt auch noch Schönes von der WM zu berichten: ARD-Reporterin Lea Wagner und Testosteron-Trainer Hervé Renard in der Stilkritik.

Von Max Scharnigg und Julia Werner

Für sie: Frau Sommer

Zum Glück haben die öffentlich-rechtlichen Sender zumindest in Sachen Fußball ein gutes Händchen. Im Gegensatz zur BBC achtet man darauf, dass in jeder Expertenrunde genug Frauen sitzen. In der ARD erklärt einem zum Beispiel die Profi-Fußballerin Almuth Schult Fußball so scharfsinnig und frei von bescheuerten Plattitüden, dass man sich auch als nur peripher interessierter Zuschauer für Strategie und Spielverlagerung und so was total begeistern kann. Weibliche Spielkommentatoren haben wir auch, passend also, dass die Fifa nun das Spiel Deutschland gegen Costa Rica von Stéphanie Frappart pfeifen ließ. Wir Deutschen sind ja identitätstechnisch aus vielerlei Gründen grade etwas angefasst, aber das mit der Geschlechtergleichheit, muss man uns lassen, ist in der Mache! Und dann wäre da noch Lea Wagner, die unsere ARD-Frau vor Ort ist. Sie ist, man muss es so formulieren, schön wie ein italienisches Fernsehsternchen, persönlich von Berlusconi ausgesucht. Weswegen man kurz den Verdacht hegen könnte, sie sei nur wegen ihres Aussehens gecastet worden. Aber die versierte Sportmoderatorin ist auch unsere Frau fürs Skispringen, und da sieht sie an der Seite von Sven Hannawald gut, aber nicht annähernd so sensationell aus wie jetzt in Doha. Kann sie nichts für, und auch nicht die ARD. Diese Frau ist ganz einfach ein Sommertyp, wie man auf ihrem Insta-Account sehen kann: bräunt leicht und liebt das Leben, sobald sie Rolli und Mütze ablegen darf. Geht vielen so, aber die meisten sehen im Rolli dann doch besser aus als im luftigen Kleid.

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(Foto: Hannah McKay)

Für ihn: Weißer Ritter

Schon der Name ist ein Traum, Hervé Renard, das klingt wie ein nicht zu teures, blaues Parfüm aus der Drogerie. Und wie toll, dass jemand der so heißt, dann auch so aussieht, nämlich wie die "Game of Thrones"-Version von Klaus Augenthaler. Im echten Leben ringt Trainer Renard zwar nicht mit Drachen, lässt sich aber schon mal als Löwenbändiger titulieren und kämpft mit der saudischen Nationalmannschaft um WM-Punkte und Aufmerksamkeit. Zumindest Letzteres gelingt dem Beau am Spielfeldrand recht souverän - ein Mittfünfziger mit tollem Haar, markantem Gesicht und trainiertem Körper ist ja allein schon ein Hingucker. Renard weiß um diese Strahlkraft und unterstreicht seine Männlichkeit stets mit einem persilweißen Hemd. Nun ist über das Slim-Fit-Hemd schon bei Jogi Löw viel geschrieben worden. Der trug es meist dunkel, in der Hose und mit aufgerollten Ärmeln, sportlich-praktisch wie aus der Walbusch-Werbung. Herr Renard hingegen hat eine exzentrische Beziehung zu seinem Hemd - die Ärmelmanschetten sind zugeknöpft, dafür steckt es aber niemals im Hosenbund. Besonders die langen Ärmel wirken spleenig, zumal dem Herrn regelmäßig das Testosteron-Töpfchen platzt und er wild gestikulierend seinen Unmut kundtut. Egal, wie gut ein Hemd geschnitten ist oder wie viel Elasthan im Spiel, bei derartigem Bewegungsdrang nervt der lange Ärmel eigentlich. Aber aufgerollt wird nicht. Es ist also offenbar eine Attitüde, die aber nichts mit klassischer Korrektheit zu tun haben kann, sonst wäre das Hemd ja auch in der Hose. Kernige Botschaft eher: Wieso unbequem? Das hier war noch gar nichts, ich hab schon ganz andere Mannschaften zum Sieg gefuchtelt!

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:Liebe und Anarchie

Sie ist Model, er ist Musiker, zusammen sind sie ein schönes und erfolgreiches Paar bei den MTV Awards. Alles ganz normal, wenn da nicht die Schmiererei auf dem guten Anzug von Matt Bellamy wäre.

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