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Fußball:Winke, winke!

Dieses Wochenende ist Bundesligafinale. Wer Meister wird? Unklar. Wie es sich anfühlt mit auf dem Rasen zu stehen? Irre. Das sagt Magdalena, 8. Unterwegs mit einem Einlaufkind.

Thiago

Einmal an der Mittellinie aufstellen – und Zehntausende Fans winken zurück!

(Foto: Fred Joch)

Nur 14 Sekunden. So schnell sprintet Magdalena von der Mittellinie bis zur Eckfahne, während um sie herum die Münchner Fußballarena jubelt. Laut wie eine Flugzeugturbine sind die Fans. Sie singen für die achtjährige Magdalena, die anderen Einlaufkinder und natürlich für die Fußballstars auf dem Rasen. Den Anpfiff hört Magdalena gar nicht mehr. Da ist sie schon in einem der Gänge verschwunden, die tief ins Innere des Stadions führen.

Angefangen hatte dieser Mittwoch eigentlich wie ein ganz normaler Tag, mit Schule, Mittagessen und Hausaufgaben. Na ja, nicht ganz normal: Denn Magdalena hatte Geburtstag. Und die Überraschung, dass sie Einlaufkind sein darf, kam als Geschenk noch dazu.

500 Kinder und mehr bewerben sich für jedes Spiel, genommen werden nur zwölf: Gemeinsam mit den elf Spielern laufen sie ein, vorneweg ein Fahnenkind. Meistens losen Sponsoren über Gewinnspiele aus, wer mitkommen darf. Magdalena hat es über den Kids Club des FC Bayern geschafft.

Dort, wo sonst Ehrengäste auf einem roten Teppich empfangen werden, treffen sich die Einlaufkinder: In der Welcome Zone West. Als alle da sind, werden die Einlaufkinder dorthin geführt, wo kein Fan mehr hindarf: in die Gänge unter der Tribüne. Kaltes, weißes Licht auf Gumminoppenböden, es hallt ein wenig und riecht - komischerweise - nach frisch gemähter Wiese. Das liegt an dem Spielfeld. Es ist hier gleich um die Ecke.

Aber zuerst geht es in den Umkleideraum. "Direkt nebenan ist die Kabine der Bayern", erklärt eine Mitarbeiterin. Die Einlaufkinder bekommen alle eine Tüte mit ihrem Namen. Darin: Hose, Stutzen und natürlich ein Trikot. Zusammen mit ihren eigenen Fußballschuhen sieht Magdalena aus, als würde sie gleich selber spielen. Nur eins ist anders: Magdalena und vier andere Kinder haben Klebeband auf ihren Fußballschuhen. Das liegt an der Marke. Auf Fotos soll nur das Logo des offiziellen Ausrüsters der Mannschaft zu sehen sein.

Thiago

Magdalena durfte an der Hand von Außenstürmer Serge Gnabry in die Münchner Fußballarena einlaufen.

(Foto: Fred Joch)

45 Minuten vor Anpfiff fliegen die ersten Bälle über den Rasen: Die Torhüter wärmen sich auf. Daneben schießen die Einlaufkinder Erinnerungsfotos mit dem Maskottchen Bernie. Zurück in der Kabine: Alle quasseln durcheinander, diskutieren über ihre Lieblingsspieler und darüber, wie man Ribérys Vornamen richtig ausspricht, nämlich "Froooonck".

"Noch 15 Minuten bis zum Anpfiff", ruft draußen der Stadionsprecher. Drinnen stellen sich die Einlaufkinder in einer Reihe auf: Wie Orgelpfeifen stehen sie da, von klein zu groß. Magdalena ist mit 1,25 Meter ziemlich groß. Sie ist Zehnte. Gemeinsam geht es in den Spielertunnel, wo zunächst einmal nur die Schiedsrichter warten. Erst als die Spieler kommen, weiß Magdalena: Sie läuft mit Flügelflitzer Serge Gnabry ein. "Ich war ziemlich aufgeregt", erzählt Magdalena später. Aber Gnabry beruhigt sie ein bisschen, nimmt Magdalenas Hand und fragt: "Wie heißt du denn?"

Und schon geht's los: 22 Treppenstufen nach unten und dann 15 wieder nach oben bis aufs Spielfeld - beklatscht von mehr als 70 000 Fans. An der Seitenlinie macht Gnabry ein paar schnelle Schritte und springt einmal hoch, danach stellen sich die beiden in die Reihe mit den anderen und begrüßen das Publikum. "Dann hat mich Gnabry zweimal an der Schulter angetippt" - Magdalenas Zeichen zum Losflitzen. Einmal über den Platz, zur Eckfahne. An dem Platz vorbei, wo vorher das Bernie-Foto geknipst wurde. Alles in 14 Sekunden.

Zurück in der Kabine muss die ganze Aufregung raus: Alle erzählen gleichzeitig von ihren Spielern, von Ulreich und Kimmich und Süle, "der ist viel größer als im Fernsehen". Doch dann heißt es schnell umziehen, das Spiel gegen Stuttgart läuft da schon, und niemand will ein Tor verpassen. Also Stollenschuhe aus und Straßenschuhe an, eine dicke Jacke über das Trikot ziehen, das jedes Einlaufkind behalten darf. Als sich im zweiten Stock die Aufzugtüren öffnen, riecht es nach Bratwürsten, und Fans wuseln umher. Die Gruppe, die gerade noch in Sportkleidung unten übers Spielfeld gerannt ist, fällt jetzt kaum noch auf. 10:42 Minuten Spielzeit steht auf der großen Anzeigetafel, als die Einlaufkinder auf ihren Sitzplätzen angekommen sind - pünktlich zum 1:0, nur eine Minute später. Ein Eins-a-Geburtstag für Magdalena.

Wie wird man Einlaufkind?

Das kann zunächst einmal jeder werden. Einzige Voraussetzung: Man darf nicht größer sein als 1,40 Meter. Die meisten Einlaufkinder-Plätze werden von Sponsoren verlost: bei Gewinnspielen im Radio, in der Zeitung oder im Internet. Nur ein paar Spiele im Jahr verlosen die Vereine direkt, beim FC Bayern etwa über den Kids Club. Wer kein Glück hatte, kann sich als Schiedsrichter-Einlaufkind bewerben - hier darf man sogar 1,50 Meter groß sein. Infos zur Anmeldung findet man auf den Internetseiten der Fußballvereine.