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Freizeit - Hamburg:In den Schock mischt sich Erleichterung über das Hilfspaket

Corona
Hochgestellte Bänke auf Tischen im Schanzenviertel. Foto: Daniel Bockwoldt/dpa/Archivbild (Foto: dpa)

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Hamburg (dpa/lno) - Hamburger Gastronomen und Verbände zeigen sich über den Teil-Lockdown weiter geschockt, würdigen aber auch teilweise die angekündigten finanziellen Hilfen. TV-Koch Tim Mälzer sprach von einem positiven Signal, der Geschäftsführer des Miniatur Wunderlands, Frederik Braun, lobte das Hilfspaket ausdrücklich und wandte sich vehement gegen Kritiker.

Die neuen Maßnahmen sehen vor, dass Restaurants und Kneipen für vier Wochen schließen müssen. Auch touristische Übernachtungsangebote im Inland sind im November verboten. Die Zahl der in Hamburg bestätigten Corona-Infektionen hatte sich nach Angaben der Gesundheitsbehörde am Donnerstag um 390 Fälle erhöht - nach 404 Fällen am Vortag. Der Sieben-Tage-Wert kletterte am Donnerstag nach Angaben der Behörde auf 119,2 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner.

Der Hamburger Tourismusverband bezeichnete die neuen Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie als Katastrophe. "Der Lockdown Light ist für die Tourismuswirtschaft definitiv kein Lockdown Light sondern mehr eine Katastrophe", sagte der Vorsitzende des Tourismusverbandes Hamburg, Wolfgang Raike, der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag. Er betonte zugleich, die versprochene Hilfe höre sich gut an. Es werde jetzt darauf angekommen, dass die zugesagten finanziellen Hilfen der Bundesregierung sehr schnell und unbürokratisch ausgezahlt würden.

Der Geschäftsführer der Hamburg Tourismus GmbH, Michael Otremba, erklärte, die Auswirkungen der Maßnahmen seien für das Leben in der Stadt und die Tourismuswirtschaft einschneidend. "Ich hoffe sehr, dass die finanziellen Hilfen ausreichen werden, um die wirtschaftliche und kulturelle Vielfalt unser Stadt zu erhalten."

TV-Koch Mälzer begrüßte das angekündigte Hilfspaket. "Es wurden uns finanzielle Kompensationen in Aussicht gestellt, die uns zumindest die nächsten vier Wochen überleben lassen, sagte Mälzer am Freitag. Sein Eindruck sei, dass dieses Mal die Last auf mehreren Schultern verteilt würde und nicht ausschließlich auf den Schultern von Unternehmern, denen wieder "ein künstliches Berufsverbot" auferlegt werde. "Deshalb werte ich das Ganze derzeit trotz des negativen Signals eines Lockdowns als positiv." Er betonte, dass er grundsätzlich ein solches Handeln als absolut nachvollziehbar empfinde. Auch wir Gastronomen wollen unseren Teil dazu beitragen, die Pandemie in den Griff zu bekommen.

Der Geschäftsführer der Hamburger Publikumsattraktion Miniatur Wunderland, Braun, verteidigte die neuen Corona-Maßnahmen und bezeichnete Beschwerden der Verbände darüber als Unsinn. Er ärgere sich über Aussagen von Wirtschaftsverbänden, dass aufgrund dieses Lockdowns ein Drittel der Unternehmen aufgeben werde, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. "Aus meiner Sicht haben wir gestern großartige Unterstützungszusagen bekommen, sagte er mit Blick auf die angekündigten Hilfen in Höhe von 75 Prozent des Umsatzausfalls. Vergleichsmaßstab sind die Umsätze vom November 2019. "Das ist aus meiner Sicht eher ein Grund zur Hoffnung als zum Meckern."

Bei Betrieben mit bis zu 50 Mitarbeitern sollen 75 Prozent des Novemberumsatzes von 2019 als Nothilfe gezahlt werden. "Welcher Gastronom hätte das denn bitte in diesem November unter aktuellen Bedingungen erwirtschaftet? Und das mit niedrigeren Kosten als 2019. Das ist für Viele deutlich mehr, als wenn es keinen Lockdown geben würde."

Der Lockdown sei notwendig und sowohl gesellschaftlich als auch wirtschaftlich durchdacht, schrieb er auf Facebook. "Und trotzdem schreien heute die großen Verbände in alle Mikrofone, dass diesen Lockdown 30% der gastronomischen Betriebe nicht überleben und (er) völlig übertrieben sei. Mir geht da die Hutschnur hoch! Können wir in Deutschland nur noch meckern?", empörte sich der Wunderland-Macher.

Braun sagte der dpa, er unterstütze die neuen Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie zu 100 Prozent. Das Miniatur Wunderland habe in seinen Kalkulationen ohnehin immer damit gerechnet, dass es weitere Maßnahmen oder einen Lockdown gebe, sagte der Geschäftsführer. Das Miniatur Wunderland beträfen die Maßnahmen massiv, da es am Montag für vier Wochen schließen müsse. Aber die Politik habe "zu 100 Prozent richtig entschieden". Er sei ein absoluter Befürworter der Maßnahmen im Kampf gegen Corona. "Finanziell ist es doof, aber wir finden es großartig, dass die Regierung hilft."

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