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Freizeit - Berlin:Flussbad-Pokal fällt ins Wasser: auf August verschoben

Berlin (dpa/bb) - Pech mit dem Wetter: Der Verein Flussbad Berlin hat das traditionelle Schwimmvergnügen in Berlins historischer Mitte für diesen Sonntag mit großem Bedauern abgesagt. "Wir haben alle Tränen in den Augen", sagte Schatzmeister Kai Dolata am Mittwochnachmittag. Grund sei das schwere Gewitter der vergangenen Nacht. Kanäle seien übergelaufen und hätten mehr als 45 000 Kubikmeter Schmutzwasser in den Spreekanal geschwemmt. Damit sinkt die Wasserqualität für einige Tage erheblich. "Dieses Risiko wollen wir nicht eingehen", ergänzte Dolata. Nun sind das Wettschwimmen und Baden an der Museumsinsel auf den 25. August verschoben.

Hunderte Schwimmer wollten am Sonntag zwischen Monbijoubrücke und Humboldt-Forum ins Wasser springen. Bis zuletzt war der Verein davon ausgegangen, dass das auch klappt. Denn die Gewitter-Nächte hatten bis Dienstagabend keinen negativen Einfluss auf die Wasserqualität. Die Wolkenbrüche am frühen Mittwochmorgen waren dann aber doch zu viel - und weitere sind angesagt. Die Enthusiasten wollen sich am Sonntag trotzdem am Spreekanal treffen. Alle angemeldeten Teilnehmer bekämen aus Ausgleich freien Eintritt ins Bodemuseum, sagte Dolata.

Starker Regen ist die Achillesferse der reizvollen Flussbad-Idee. Denn dann wird durch überlaufende Mischwasserkanäle auch Unrat in den Spreekanal zwischen Bodemuseum und Fischerinsel gespült. Das Wasser ist dann für einige Tage nicht mehr sauber genug zum Baden. "Die kurzfristige Absage legt da leider gerade wieder den Finger in die Wunde", sagte Dolata.

Seit 20 Jahren tüftelt der Verein Flussbad daran, das Überlauf-Problem zu lösen und ein Sommerbad im Spreekanal einzurichten. Der alljährliche Flussbad-Pokal ist ein Appetithappen, wie ein ausgeworfener Köder. Er ist schon so manches Mal ins Wasser gefallen.

Für das Jahr 2021 peilt der Verein dennoch über den Pokal hinaus temporäre Badezeiten im Spreekanal an. "Auf Basis verlässlicher Prognosen zu Wasserqualität in Echtzeit", sagt Vorstand Jan Edler. Grundlage dafür könnten die laufenden Untersuchungen zur Wasserqualität sein. Auf einem historischen Lastkahn im Spreekanal lässt der Verein seit zwei Jahren die Leistung einer Pilot-Pflanzenfilteranlage zur Reinigung des Flusswassers wissenschaftlich untersuchen. "Noch ein weiteres Jahr, dann haben wir aussagekräftige Ergebnisse", ergänzt Edler.

1925 schlossen die letzten Berliner Badeanstalten an der Spree, weil der Fluss im Industriezeitalter zur Kloake wurde. Die Vision des Vereins ist, 100 Jahre später - also im Jahr 2025 - wieder ein Flussbad an traditioneller Stelle am Spreekanal zu eröffnen. Mit dem Blick auf ökologische Stadtentwicklung verfange diese Idee immer mehr, sagte Edler. "Das ist keine Spinnerei mehr. Das ist wie ein Trigger."

Festlegen möchte sich Edler auf das Jahr 2025 aber noch nicht. "Das ist alles sehr komplex", betont er. So werde es noch bis 2035 immer wieder Baustellen auf der Museumsinsel geben, die auch im Spreekanal zeitweise einen Bauhafen erforderten. Das bedeute, dass es bei Badewetter wahrscheinlich nicht durchgehend freie Bahn für Schwimmer geben könne.