Stellt sich die Frage: Wer zum Teufel mag dich eigentlich nicht, Paul? Keine Sekunde Zögern: "Der Kai Pfaffenbach." Kai Pfaffenbach, Sportfotograf, stellvertretender Sprecher des Verbandes deutscher Sportfotografen, der 2014 die komplette WM über in Brasilien war, sagt: "Ich habe nichts gegen seine Arbeit. Aber hinterher bei Lanz zu sagen, dass kein anderer diese Fotos hätte machen können, ist zu viel der Selbstdarstellung." Jeder andere, findet Pfaffenbach, hätte diese Chance natürlich genutzt. Und auch solche Fotos geschossen. "Ich dachte auch erst, das ist ein Physiotherapeut, der da privat fotografiert. Danach war sein Hinterteil auf jedem zweiten Bild drauf."

Dabei durfte der Paul erst gar nicht mit nach Brasilien, saß zu Hause, während das Team siegte, "die WM war schlimm für mich, bis dahin." Dann schrieb er Oliver Bierhoff, dem Manager der Nationalelf, eine Mail. "Ich hatte mir diesen einen Schuss genau ausgerechnet. Wann ist er im Campo Bahia, wann liest er seine Mails?" Eine Woche feilt er an der Formulierung, dann schickt er: "Liegt es an meinem Aussehen? Ich rasiere mich gerne und trage eine Frisur eurer Wahl." Oliver Bierhoff antwortete: "Lieber Paul, immer locker bleiben. Haare so lassen und mitkommen. Wir schießen die Tore, du die Fotos!"

Ein paar Tage später steht Ripke auf dem Rasen und schießt fast jedes große Foto, das aus dieser Nacht in Erinnerung bleibt. Der Fotografen-Verband ist empört, befasst sich offiziell mit dem "Fall Paul Ripke", wie es im Verbandsmagazin heißt. Und der DFB reagiert. Ohne Erklärung wird er nicht mehr gebucht, obwohl sogar die Spieler nach ihm fragen. "Ich bin denen wohl zu laut geworden", glaubt Ripke. Dass er auf eigene Faust für 230 000 Euro den großen Bildband zur WM-Nacht, die "One Night in Rio", stemmte, und dann auch noch Erfolg damit hatte, neidet ihm mancher, denkt er. "Das alles ist verboten. Du musst es trotzdem machen", heißt es in einem Song seines Kumpels Marteria.

Bild: Paul Ripke 26. März 2016, 10:282016-03-26 10:28:44 © SZ vom 26.3.2016/feko