Selbst wenn er verliert, gewinnt er etwas. Anruf bei Campino, mit dem der Paul in Argentinien unterwegs war. Für die Toten Hosen hat er einen großen Bildband gemacht. "Der Paul ist ein Verrückter", sagt der Sänger, "aber dabei superschnell und 100 Prozent treffsicher." Für Ripke ist die Arbeit mit Musikern noch wichtiger als die mit den Fußballern. Musik in Bilder zu verwandeln - dafür hat er angefangen zu fotografieren. "Ich war bei den Skatern, aber zum Skaten zu schlecht, also nahm ich die Kamera. Dann verliebte ich mich in den Hip-Hop und seine Charaktere. Ich wollte die alle fotografieren." Sein erster Job als Fotograf ist unbezahlt. Er bequatscht das Magazin Juice, ihn Bilder von DJ Tomekk machen zu lassen, indem er eine die Reisekosten halbierende Bahncard erfindet, die er sich erst nach der Zusage besorgt.

Seine ersten Kameras erbt er von seinem Vater, einem begeisterten Hobby-Fotografen. Er stirbt, als Ripke 19 ist. Der Vater, Psychologe, war in der Studentenbewegung aktiv, hatte angeblich RAF-Kontakte. Seine Mutter arbeitete in der Kanzlei von Otto Schily. Abhören und Hausdurchsuchungen waren, so erinnert sich Ripke, normal. Und auch er kommt in Kontakt mit der Staatsgewalt. Zweimal ist er vorbestraft: Einmal mit 17 wegen Sprayen, das gibt zwei Wochenenden Jugendknast. Sein Vater ist sauer, als er ihn dort abholt. Nicht wegen des Gefängnisses. Sondern weil Ripke zu früh rauskommt und sein Vater kein Bild von ihm hinter Gittern kriegt.

Bild: Theresa Ripke 26. März 2016, 10:282016-03-26 10:28:44 © SZ vom 26.3.2016/feko