Also Shooting in einem Studio in München, die Assistenten bauen auf, Ripke geht mit Boatengs Manager letzte Details durch, jetzt fehlt nur noch der Star. Der Fotograf baut derweil Nähe auf. "50 Prozent meiner Arbeitszeit sind Warten." Ripke, große blaue Augen im bärtigen Gesicht, kickt einen Fußball gegen die Wand, streicht sich zum dreißigsten Mal durch die kurzen braunen Haare, die unschlüssig herumstehen. "Warten, auf Leute, auf Entscheidungen. Apropos: Was krieg ich, wenn ich da drüben reintreffe?" Ripke will einen Contest. Wer den Ball in den kleinen Kasten am Eingang des Studios schießt, wird vom Verlierer einmal im Kasten durchs Studio kutschiert. Ripke schießt vorbei, jemand trifft immerhin eine Leiter, die knallt auf den Boden, BUMM! "Tschuldigung!", ruft Ripke. Dann stellt er die Leiter wieder auf und grinst. "Hast du's überhaupt noch drauf?", fragt Ripke Boateng beim Shooting. Boateng lächelt. Lässig, aber mit Respekt behandelt zu werden, das gefällt ihm womöglich besser als die totale Ehrfurcht, die andere ihm entgegen bringen.

Ripke nimmt die Kamera hoch. Und los: Schau mal her! Auf den Boden. Hoch. Runter. Mal böse. Lach mal. Hände zusammen. Runter. Gut. Guck mal da rüber. Hier rüber. Nase runter. Mach hähähä! HÄHÄHÄ! Stop! "Danke, Jerome!" Dann rappt er plötzlich: Berlin, habt ihr eure Handys am Start? Ihr seht richtig: Ich bin's, der WM-Fotograf Paul Ripke, der Wuhlheiden-Zerstörer Flink wie ein Wiesel, stahlharter Körper. Boateng lacht, schüttelt den Kopf. "Filmt ihr das?", fragt Ripke. "Ich warne euch! Voll trottelig!" Er baut kein Mal das Licht um, wechselt nur zwischen zwei Kameras.

Bild: Paul Ripke 26. März 2016, 10:282016-03-26 10:28:44 © SZ vom 26.3.2016/feko