FluchtMitgenommen

privat

Wer flieht, muss viel zurücklassen. Hier erzählen Kinder und Jugendliche, was sie retten konnten. Diesmal: Glib, 7, aus Dnipro in der Ukraine. Er lebt seit fast vier Jahren in Weiler bei Bingen.

Protokoll von Sofia Zharinova

„Meine Eltern und ich sind vor viereinhalb Jahren in den Urlaub nach Schidnyzja gefahren. Das ist eine kleine Stadt in den ukrainischen Bergen, den Karpaten – ein Urlaubsort im Westen. Wunderschöne Landschaften, frische Luft. Es war noch kein Krieg, alles war gut. Ich war damals drei. Weil es so kalt war und ich meine Mütze vergessen hatte, kauften mir meine Eltern an einem kleinen Stand neben der Autobahn eine blaue Kapuzenmütze. Sie hat vorn über der Stirn eine lustige Brille und eine Bärennase, an der Seite dicke Bommeln. Perfekt zum Laufradfahren. Die neue Mütze gefiel mir gut. Sehr gut. Ich ging sogar mit ihr schlafen. Ein paar Wochen später begann der Krieg. Auf der Flucht habe ich vieles vergessen. Aber unter den wenigen Dingen, die wir mitnahmen, war diese Kindermütze. Inzwischen bin ich sieben. Die Mütze ist mir jetzt ein bisschen zu klein, aber ich liebe sie und trage sie immer noch. Sie ist schön warm und erinnert mich an unseren letzten Urlaub in der Ukraine, als dort noch Frieden war.“

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